Die Geschichte des Glücksspiels

Glücksspiele sind in der heutigen Gesellschaft fest verankert, weltweit und in allen Schichten. Die Industrie, die sich um sie gebildet hat, setzt Jahr für Jahr Summen in Milliardenhöhe um. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich eine lange Historie, die von Machtkämpfen und Verboten geprägt ist. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Stationen dieser Geschichte des Glücksspiels vor.

Am Anfang war der Würfel

Zu spielen begannen die Menschen bereits um rund 3000 v. Chr., zunächst mit dem Würfel. In China und auf dem Gebiet des damaligen Mesopotamien fanden Forscher die ersten Exemplare, die sich zu dieser Zeit allerdings noch in Form und Größe von den heutigen Exemplaren unterschieden. Die Würfel – wie wir sie heute kennen – wurden vermutlich ca. 1000 Jahre später in Ägypten erfunden.

Würfel

Beliebt war das Würfelspiel nicht nur im Morgenland, auch im alten Rom fand es begeisterte Anhänger. Dort versuchten die Herrscher das aufkommende Spiel allerdings früh zu unterbinden, indem sie es nur an den Saturnalien, den Feiertagen zu Ehren des Gottes Saturn, erlaubten. Ebenso frönten die Germanen auf der anderen Seite des Limes dem Nervenkitzel der Würfel. Sie setzten dabei nicht selten ihr Hab und Gut oder gar ihre persönliche Freiheit aufs Spiel.

Moralische Bedenken – Glücksspiel im Mittelalter

Wie schon den Herrschern in der Antike war das Spielen auch den Machthabern im mittelalterlichen Europa nicht ganz geheuer. Sowohl von weltlicher als auch von kirchlicher Seite gab es Bedenken; die einen fürchteten um die Arbeitskraft ihrer Untertanen, die anderen brachten moralische Zweifel am Glücksspiel vor.

Würfelspiel Mittelalter
zwei Männer beim Würfelspiel, 1283

Versuche es zu verbieten, schlugen allerdings in den meisten Fällen fehl. Das Volk fand immer wieder neue Möglichkeiten, seinem Trieb nachzugehen. Ganz ohne Vorteil war das für die Obrigkeiten nicht, denn sie profitierten durch eine gezielte Steuer- und Abgabenpflicht immerhin finanziell von den Spielern.

Waren nämlich zu Beginn Fest, Messen und der Karneval beliebte Treffpunkte zum Spielen, wurden diese durch Verbote zunehmend verdrängt, sodass sich die Menschen vornehmlich in Gasthäusern trafen – die Oberschicht war zumeist in ihren eigenen „Spielhäusern“ verabredet –, um das Glück herauszufordern. Hier regelte der Gesetzgeber durch bestimmte Vorschriften das Spielgeschehen – und bat so die Betreiber zur Kasse.

Die Konzessionierung als Mittel der Kontrolle

Ein weiterer Versuch der Machthaber, das Glücksspiel unter Kontrollen zu bringen, war im 14. Jahrhundert die Einführung der konzessionierten Spielhäuser. Zu diesen hatten nur Mitglieder der oberen Schichten Zugang, sodass das Glücksspiel in den unteren Bevölkerungsschichten in das Private verlagerte, was allerdings verboten war und teils rigorose Strafen zur Folgen hatte. Inwieweit sich die Konzessionierung verbreiten sollte, konnte jeder Herrscher selbst bestimmen, ein wichtiges Kontrollinstrument.

In dieser Zeit etwa kam auch das Kartenspiel aus dem Orient nach Europa und entwickelte sich neben den Würfeln zu einer zweiten beliebten Spielvariante. Die süddeutsche Stadt Ulm wurde schnell zu einem Zentrum der Kartenproduktion und als solche auch über die Grenzen hinaus bekannt. Beim dem neuen „Spielgerät“ wurden ebenfalls die Klassenunterschiede deutlich, was die unterschiedlichen Muster auf den Rückseiten der Karten symbolisierten. Die Oberschicht spielte mit künstlerischen Verzierungen, während die einfache Bevölkerung nur Karten mit simplen oder gar keinen Mustern erhielten.

Alte Spielkarten
© Wienbibliothek

Durch den Import der Karten nach Europa traten ein weiteres Mal die negativen Seiten des Glücksspiels zutage: Verlust von Hab und Gut, Betrügereien, Mord und Totschlag. Als Reaktion erließen viele Städte weitreichende Spielverbote und führten vermehrt Spielsteuern ein. Die daraus resultierenden Kontrollen trafen aber vor allem die Unterschicht, in den oberen Teilen der Gesellschaft und auch des Klerus wurde davon unbehelligt weitergespielt.

Lotterien als beliebtes Glücksspiel – mit sozialem Hintergrund

Die Ursprünge des Lottos liegen in Italien und Holland. Dort entwickelten sich im 14. Jahrhundert die ersten Varianten des Gewinnspiels. Im deutschsprachigen Raum kam es in den unterschiedlichsten Formen ein wenig später auf. Es gab sowohl private Anbieter als auch öffentliche Institutionen, die mit ihrer eigenen Lotterie Spieler lockten. In vielen Fällen wurden die erzielten Erlöse für soziale Zwecke eingesetzt, beispielsweise den Bau von Kirchen und Armenhäusern oder die Unterstützung von Brandopfern. Natürlich wollten auch die Herrscher von dem Aufschwung durch das neue Glücksspiel profitieren und veranstalteten deshalb ihre eigenen Lotterien, um den Staatshaushalt aufzubessern. Das erste Zahlenlotto – wie es auch heute gespielt wird – startete im 17. Jahrhundert. Auch die Einführung des Lottos änderte nichts an den oftmals negativen Folgen des Glücksspiels: Verlust von Besitz, Armut und Selbstmord.

Lotto

Verbote über Verbote – Zentren des Glücksspiels verschieben sich

In etwa zeitgleich mit der Erfindung des Roulettespiels, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, nutzen die Machthaber Europas ihre Möglichkeiten, um das organisierte Glücksspiel zu reglementieren. Karl III., der König von Spanien, verbot in seinem Land die öffentlichen Spielbanken ganz; Napoleon dagegen stellte später in Italien das private Spiel unter Strafe, um so das öffentliche zu ermöglichen. In seiner Heimat ließ der kleine Franzose Spielbanken in vielen Großstädten schließen und sie zunächst nur noch in der Hauptstadt Paris zu. Ab 1837 wurden die Spielstätten schließlich im ganzen Land verboten, was der Startschuss für die Blütezeit des Glücksspiels in Deutschland war.

In einigen Kur- und Badeorten entstanden prunkvolle Spielbanken, die über die Grenzen hinweg Bekanntheit erlangten. Das große Besucheraufkommen brachte den Städten Einnahmen, die sie in die Verbesserung der Infrastruktur investierten. Besonders hervorzuheben sind dabei die Häuser in Baden-Baden und Bad Homburg, welche auch internationale Prominenz anlocken konnte, darunter u.a. der russische Schriftsteller Dostojewski, welchen die Erlebnisse zu seinem Roman „Der Spieler“ inspirierten.

Bad Homburg
Bad Homburg: Kurhaus mit Spielbank, 1865

Als immer mehr Kritik gegen das Glücksspiel laut wurde, erließ Reichskanzler Bismarck im Jahr 1872 im gesamten deutschen Territorium ein Spielbankenverbot. Dieses setzte der etablierten Casino-Szene ein jähes Ende. Profitieren konnte davon die Stadt Monte Carlo, welche sich fortan einen Ruf als Glücksspielmetropole machte.

Kriegszeiten – auch für das Glücksspiel

Das Verbot von 1872 konnte keineswegs verhindern, dass das Spielen weiterhin ein fester Teil der Gesellschaft blieb. Es änderte sich lediglich der Rahmen, in dem die Bevölkerung ihrem Spieltrieb nachging. Illegale Zusammenschlüsse gründeten sich, das Glücksspiel im Untergrund begann. Zwischenzeitliche Bestrebungen, das Spielen wieder zu legalisieren, wurden während der Weimarer Republik verworfen – auch im Hinblick auf die Gefahr der Spielsucht –, sodass das Verbot erst 1933 durch die Nazis aufgehoben wurde. Die meisten Casinos mussten allerdings zum Ende des Krieges hin wieder schließen. Die Traditionshäuser wie beispielsweise die Spielbank Baden-Baden konnte nach ihrer Wiedereröffnung in der neuen Bundesrepublik nie wieder an ihren früheren Erfolg anknüpfen.

„Geschicklichkeitsspiele“ am Automaten

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den Vereinigten Staaten die ersten Spielautomaten entwickelt. Die Liberty Bell, die der deutschstämmige Maschinenbauer Charles August Fey in San Francisco erfand, war das erste Exemplar mit einem 3-Walzen-System.

Spielautomaten

Die Unterhaltungstechnik fand auch schnell den Weg nach Europa, war jedoch im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik im Rahmen des Glücksspielverbots nicht zugelassen. Erlaubt waren allerdings Geschicklichkeitsspiele, sodass viele weitere Automaten, die zwar ohne finanziellen Einsatz und die Chance auf Geldgewinne funktionierten, konstruiert wurden.

Strenge Regelungen – Glücksspiel in den USA

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich eine lebendige Glücksspielszene, in den meisten großen Städten gründeten sich in den Salons eigene Spielstätten. Einen harten Einschnitt markierte das strikte Verbot des Glücksspiels, welches zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Kraft trat. Erst in den frühen 1930er-Jahren wurde im Staat Nevada das Spielen wieder erlaubt, eine Ausnahme, die die Fortentwicklung Las Vegas‘ zum „Mekka des Glücksspiels“ ermöglichte. Ab 1978 durfte auch im Bundesstaat New Jersey wieder gespielt werden, an der Ostküste entwickelte sich Atlantic City zu einer prägenden Metropole des Glücksspiels. Eine weitere Ausnahme bilden die Indianerreservate Amerikas, auch dort ist das Spielen legal, weshalb sich in diesen Gebieten viele Casinos angesiedelt haben.

Las Vegas
Las Vegas bei Nacht

 Losgelöst von Ort und Zeit – Das Glücksspiel im Online-Zeitalter

Die zunehmende Technisierung und Digitalisierung ist auch an der Glücksspiel-Industrie nicht vorbeigegangen. Seit etwa Mitte der 1990er-Jahre gibt es für Spieler die Möglichkeit, im Internet ihr Glück herauszufordern. Was damals noch eine Seltenheit war, ist heute alltäglich. Die Auswahl an Online-Casinos ist nur noch schwer zu überblicken.

Auch das Angebot ist quasi allumfassend. Du kannst dich im Internet an den Klassikern aus dem Casino – Roulette, Black Jack, Poker – versuchen und ebenso viele andere Glücksspiele ausprobieren. Darunter fallen beispielsweise Würfel-, Kartenspiele und Lotterien, also im Prinzip alle Varianten, die die Geschichte des Spiels maßgeblich geprägt haben.

online

Die Einführung der Online-Casinos machte das Spiel unabhängig von Ort und Zeit. Im Internet kann jederzeit eine Runde gespielt werden, egal wo. Zudem stellen viele Anbieter ihre Auswahl sogar im kostenlosen Spielgeldmodus zur Verfügung, ein weiterer Vorteil gegenüber den lokalen Casinos.

Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland

Seit dem Jahr 2008 ist das Glücksspiel in der Bundesrepublik Deutschland durch einen Staatsvertrag zwischen den einzelnen Bundesländern geregelt. Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, den Spieler- und Jugendschutz zu stärken, um Spielsucht zu bekämpfen bzw. vor der Entstehung zu verhindern. Desweiteren soll mit den einheitlichen Regelungen das Angebot begrenzt und für die gesetzeskonforme Durchführung der Spiele gesorgt werden. So möchte der Staat Betrügereien und kriminellen Machenschaften vorbeugen.

Eine bewegte Geschichte, die noch lange nicht am Ende ist

Das Glücksspiel kann auf eine spannende Geschichte zurückblicken, die immer eng mit der Gesellschaft und den Herrschenden verbunden war. Auch heute reguliert der Staat mit seinen Gesetzen in den meisten Regionen der Welt das Spiel.

Roulette

Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Glücksspiel in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelt, denn alle technischen Fortschritte, die die Zukunft bereit hält, werden mit Sicherheit auch auf die mächtige Unterhaltungsindustrie Einfluss nehmen.