Die Geschichte des Glücksspiels

Glücksspiele sind in der heutigen Gesellschaft fest verankert, weltweit und in allen Schichten. Die Industrie, die sich um sie gebildet hat, setzt Jahr für Jahr Summen in Milliardenhöhe um. Hinter dieser Entwicklung verbirgt sich eine lange Historie, die von Machtkämpfen und Verboten geprägt ist. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Stationen dieser Geschichte des Glücksspiels vor.

Wetten: Beliebt durch alle Zeiten

Die Wette ist eine der ältesten Formen des Glücksspiels und wurde bereits in der Antike praktiziert. So wurde beispielsweise im alten Rom und auch in Griechenland beim Wagenrennen und Gladiatorenkampf gegeneinander gewettet. Aus dem Wagenrennen entwickelte sich dann das heutige Pferderennen, welches sich immer noch großer Beliebtheit erfreut. 
Die favorisierten Sportarten änderten sich mit der Zeit, aber fast in allen Bereichen wurden immer wieder Wetten auf den Ausgang eines Sportereignisses abgeschlossen.

Alles nur Glückssache?

Ob das Wetten als reines Glücksspiel zu betrachten ist, oder ob es dabei auch auf Hintergrundwissen und eine gründliche Analyse der Situation ankommt, ist vom Charakter der Wette abhängig. Es gibt Wetten, bei denen es ausschließlich auf das Glück ankommt. So kann beispielsweise auf den Ausgang eines Münzwurfs oder andere reine Zufallsereignisse gewettet werden. Die beliebten Sportwetten dagegen gelten zwar auch als Glücksspiel, geschickte Spieler können hier aber die Chancen beeinflussen. So helfen zum Beispiel ausführliche Hintergrundinformationen über die allgemeine Form der Teilnehmer oder frühere Begegnungen der teilnehmenden Mannschaften dabei, die Chancen der verschiedenen Wettmöglichkeiten möglichst realistisch einzuschätzen. Ambitionierte Sportwetten-Teilnehmer versuchen daher, sich im Vorfeld so viele Informationen wie möglich zu verschaffen. Das gilt nicht nur für die modernen Wetten der heutigen Zeit, sondern wurde auch schon beim antiken Wagenrennen von einigen Wettteilnehmern so gehandhabt.

Ca. 3000 v. Chr.: Am Anfang war der Würfel

Zu spielen begannen die Menschen bereits um rund 3000 v. Chr., zunächst mit dem Würfel. In China und auf dem Gebiet des damaligen Mesopotamien fanden Forscher die ersten Exemplare, die sich zu dieser Zeit allerdings noch in Form und Größe von den heutigen Exemplaren unterschieden. Die Würfel – wie wir sie heute kennen – wurden vermutlich ca. 1000 Jahre später in Ägypten erfunden.

Würfel

Beliebt war das Würfelspiel nicht nur im Morgenland, auch im alten Rom fand es begeisterte Anhänger. Dort versuchten die Herrscher das aufkommende Spiel allerdings früh zu unterbinden, indem sie es nur an den Saturnalien, den Feiertagen zu Ehren des Gottes Saturn, erlaubten. Ebenso frönten die Germanen auf der anderen Seite des Limes dem Nervenkitzel der Würfel. Sie setzten dabei nicht selten ihr Hab und Gut oder gar ihre persönliche Freiheit aufs Spiel.

Ca. 500 – 1500 n. Chr.: Moralische Bedenken – Glücksspiel im Mittelalter

Wie schon den Herrschern in der Antike war das Spielen auch den Machthabern im mittelalterlichen Europa nicht ganz geheuer. Sowohl von weltlicher als auch von kirchlicher Seite gab es Bedenken; die einen fürchteten um die Arbeitskraft ihrer Untertanen, die anderen brachten moralische Zweifel am Glücksspiel vor.

Würfelspiel Mittelalter
Zwei Männer beim Würfelspiel, 1283

Versuche es zu verbieten, schlugen allerdings in den meisten Fällen fehl. Das Volk fand immer wieder neue Möglichkeiten, seinem Trieb nachzugehen. Ganz ohne Vorteil war das für die Obrigkeiten nicht, denn sie profitierten durch eine gezielte Steuer- und Abgabenpflicht immerhin finanziell von den Spielern.

Waren nämlich zu Beginn Fest, Messen und der Karneval beliebte Treffpunkte zum Spielen, wurden diese durch Verbote zunehmend verdrängt, sodass sich die Menschen vornehmlich in Gasthäusern trafen – die Oberschicht war zumeist in ihren eigenen „Spielhäusern“ verabredet –, um das Glück herauszufordern. Hier regelte der Gesetzgeber durch bestimmte Vorschriften das Spielgeschehen – und bat so die Betreiber zur Kasse.

Eine besondere Form der Wette: Lebensversicherungen

Bereits im Mittelalter gab es in Genua und in Antwerpen eine besondere Form der Wette, die wir heute als Lebensversicherung kennen. Es wurden Wetten abgeschlossen auf das „Leben und Sterben von Personen“. Somit war es beispielsweise Handelsreisenden möglich, ihre Familien vor Antritt einer gefährlichen Schiffsreise abzusichern, indem sie eine Wette auf ihr eigenes Ableben abschlossen. Kehrte der Reisende nicht wohlbehalten nach Hause zurück, so galt die Wette als gewonnen und der Gewinn wurde an die Familie ausgezahlt.

Nach dem selben Prinzip funktionieren Lebensversicherungen noch heute. Auch Betrug hat es in diesem Bereich bereits zur damaligen Zeit gegeben. Unser Versicherungswesen ist also viel älter, als wir es vielleicht erwartet hätten.

Ca. 1350: Die Konzessionierung als Mittel der Kontrolle

Ein weiterer Versuch der Machthaber, das Glücksspiel unter Kontrollen zu bringen, war im 14. Jahrhundert die Einführung der konzessionierten Spielhäuser. Zu diesen hatten nur Mitglieder der oberen Schichten Zugang, sodass das Glücksspiel in den unteren Bevölkerungsschichten in das Private verlagerte, was allerdings verboten war und teils rigorose Strafen zur Folgen hatte. Inwieweit sich die Konzessionierung verbreiten sollte, konnte jeder Herrscher selbst bestimmen, ein wichtiges Kontrollinstrument.

In dieser Zeit etwa kam auch das Kartenspiel aus dem Orient nach Europa und entwickelte sich neben den Würfeln zu einer zweiten beliebten Spielvariante. Die süddeutsche Stadt Ulm wurde schnell zu einem Zentrum der Kartenproduktion und als solche auch über die Grenzen hinaus bekannt. Beim dem neuen „Spielgerät“ wurden ebenfalls die Klassenunterschiede deutlich, was die unterschiedlichen Muster auf den Rückseiten der Karten symbolisierten. Die Oberschicht spielte mit künstlerischen Verzierungen, während die einfache Bevölkerung nur Karten mit simplen oder gar keinen Mustern erhielten.

Alte Spielkarten
© Wienbibliothek

Durch den Import der Karten nach Europa traten ein weiteres Mal die negativen Seiten des Glücksspiels zutage: Verlust von Hab und Gut, Betrügereien, Mord und Totschlag. Als Reaktion erließen viele Städte weitreichende Spielverbote und führten vermehrt Spielsteuern ein. Die daraus resultierenden Kontrollen trafen aber vor allem die Unterschicht, in den oberen Teilen der Gesellschaft und auch des Klerus wurde davon unbehelligt weitergespielt.

Ca. 1400 bis heute: Lotterien als beliebtes Glücksspiel – mit sozialem Hintergrund

Die Ursprünge des Lottos liegen in Italien und Holland. Dort entwickelten sich im 14. Jahrhundert die ersten Varianten des Gewinnspiels. Im deutschsprachigen Raum kam es in den unterschiedlichsten Formen ein wenig später auf. Ab dem 16. Jahrhundert wurden auch hier regelmäßig Lotterien veranstaltet. Dabei konnten die Teilnehmer Lose erwerben und sicherten sich so ihre Gewinnchance auf einen oder mehrere zuvor festgelegte Preis. Die Ziehung der Gewinner fand meistens öffentlich statt und galt als beliebtes gesellschaftliches Ereignis. Es gab sowohl private Anbieter als auch öffentliche Institutionen, die mit ihrer eigenen Lotterie Spieler lockten. In vielen Fällen wurden die erzielten Erlöse für soziale Zwecke eingesetzt, beispielsweise den Bau von Kirchen und Armenhäusern oder die Unterstützung von Brandopfern.

Natürlich wollten auch die Herrscher von dem Aufschwung durch das neue Glücksspiel profitieren und veranstalteten deshalb ihre eigenen Lotterien, um den Staatshaushalt aufzubessern. Das erste Zahlenlotto – wie es auch heute gespielt wird – startete im 17. Jahrhundert. Auch die Einführung des Lottos änderte nichts an den oftmals negativen Folgen des Glücksspiels: Verlust von Besitz, Armut und Selbstmord.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs allerdings auch die Kritik am Lotto, denn ähnlich wie bei anderen Glücksspielen wurde auch hier befürchtet, dass vor allem die ärmeren Schichten zu viel Geld verspielen und ihre Arbeit vernachlässigen würden, wodurch die die Steuern an die herrschende Klasse nicht mehr zahlen könnten. Somit wurde das Zahlenlotto vielerorts verboten. Die deutschen Klassenlotterien der einzelnen Länder blieben von diesem Verbot jedoch unberührt und fanden weiterhin statt. Einrichtungen in Österreich und Italien, wo Lotto weiterhin uneingeschränkt erlaubt war, profitierten von dem Verbot in Deutschland, denn die Spieler begannen nun, in den Nachbarländern Lose zu kaufen.

1938 wurden die Klassenlotterien zur „Deutschen Reichslotterie“ zusammengeschlossen. Seit 1945 ist das Lotteriewesen wieder Ländersache.

Lotto

Ca. 1480: Erste mathematische Betrachtungen des Spiels

Ab dem späten 15 Jahrhundert setzten sich auch verschiedene Gelehrte mit dem Spiel auseinander. Gewinnwahrscheinlichkeiten sollten nicht mehr einfach nur geschätzt werden, sondern wurden nun klar nach den Gesetzen der Stochastik berechnet.

Heute kann zu jedem modernen Casino-Spiel die Gewinnwahrscheinlichkeit angegeben werden. Diese ist bei den meisten Spielen natürlich nur so hoch, dass langfristig der Anbieter des Spiels den Gewinn macht, anders wäre es für Casinos und Spielbanken gar nicht möglich, Glücksspiele profitabel anzubieten.
Es gibt aber auch Spiele, bei denen es möglich ist, durch optimale Entscheidungen einen positiven Erwartungswert zu erreichen, langfristig also einen Gewinn zu machen. Das sind dann allerdings solche Spiele, die nicht gegen „die Bank“ gespielt werden, sondern gegen die anderen Mitspieler. Ein bekanntes Beispiel sind die verschiedenen Poker-Varianten. Hier geht es nicht darum, besser als die Bank zu sein, sondern lediglich die Mitspieler zu schlagen. Somit gibt es hier tatsächlich Spieler, die in der Lage sind, das Spiel profitabel zu spielen und im Schnitt einen Gewinn zu machen. Nicht nur beim Poker, sondern auch bei vielen anderen Kartenspielen gilt dieses Prinzip. Als bekanntes Brettspiel, welches unter Umständen mit einem positiven Erwartungswert gespielt werden kann, ist Backgammon zu nennen. Auch hier wird teilweise heute noch um hohe Einsätze gespielt.

Ca. 1500 – 1900: Brettspiele werden immer beliebter

Das Gänsespiel

Heute ist das Gänsespiel als harmloses Brettspiel für Kinder bekannt, bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde es aber vor allem von Erwachsenen Spielern um hohe Einsätze gespielt. In Europa ist dieses Spiel erstmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Erscheinung getreten, und wurde dort schnell sehr beliebt. Vor allem in Spanien, Frankreich und den Niederlanden war das Gänsespiel weit verbreitet. 
Gespielt wird das Gänsespiel auf insgesamt 63 Feldern. Jeder Spieler erhält eine Spielfigur, die er entsprechend der gewürfelten Augenzahl vorwärts ziehen darf. Ziel des Spiels ist es, das Zielfeld (den Gänsegarten) genau mit der passenden Augenzahl zu erreichen. Auf dem Weg dorthin lauern verschiedene Ereignisfelder, welche das Erreichen des Ziels beschleunigen oder erschweren können.

 Johann Wolfgang von Goethe diente das Gänsespiel als Inspiration für sein Gedicht „Das Leben ist ein Gänsespiel“. Auch Jules Vernes griff das Thema in seinem 1899 erschienenen Roman „Das Testament eines Exzentrischen“ auf, indem er die USA als riesiges Gänsespiel beschrieb, bei welchem die Menschen gegenseitig um die Wette laufen.

Das Leben ist ein Gänsespiel (Johann Wolfgang von Goethe)

Das Leben ist ein Gänsespiel:
Je mehr man vorwärts gehet,
Je früher kommt man an das Ziel,
Wo niemand gerne stehet.

Man sagt die Gänse wären dumm,
O, glaubt mir nicht den Leuten:
Denn eine sieht einmal sich rum,
Mich rückwärts zu bedeuten.

Ganz anders ist’s in dieser Welt,
Wo alles vorwärts drücket:
Wenn einer stolpert oder fällt,
Keine Seele rückwärts blicket.

1638: Das „Ridotto“ als erstes Casino

Als erstes öffentliches Casino galt das italienische „Ridotto“, welches den Spielcasinos der heutigen Zeit schon sehr ähnelte. Bereits im Jahr 1638 wurde das berühmte Casino in Venedig eröffnet. Das Ridotto war aber nur der Anfang einer glanzvollen Casino-Ära, denn es folgten schnell über 100 weitere Casinos im gesamten Italien. Im November 1774 wurde das Ridotto wieder geschlossen. Die Folgen waren laut den Befürwortern des Glücksspiels unmittelbar spürbar, denn nicht nur das Casino selber profitierte von den zahlenden Gästen, sondern auch umliegenden Gewerbe wie beispielsweise die aufkommende Textilindustrie, die Gaststätten und Gasthöfe.

Ca. 1750: Verbote über Verbote – Zentren des Glücksspiels verschieben sich

In etwa zeitgleich mit der Erfindung des Roulettespiels, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts, nutzen die Machthaber Europas ihre Möglichkeiten, um das organisierte Glücksspiel zu reglementieren. Karl III., der König von Spanien, verbot in seinem Land die öffentlichen Spielbanken ganz; Napoleon dagegen stellte später in Italien das private Spiel unter Strafe, um so das öffentliche zu ermöglichen. In seiner Heimat ließ der kleine Franzose Spielbanken in vielen Großstädten schließen und sie zunächst nur noch in der Hauptstadt Paris zu. Ab 1837 wurden die Spielstätten schließlich im ganzen Land verboten, was der Startschuss für die Blütezeit des Glücksspiels in Deutschland war.

In einigen Kur- und Badeorten entstanden prunkvolle Spielbanken, die über die Grenzen hinweg Bekanntheit erlangten. Das große Besucheraufkommen brachte den Städten Einnahmen, die sie in die Verbesserung der Infrastruktur investierten. Besonders hervorzuheben sind dabei die Häuser in Baden-Baden und Bad Homburg, welche auch internationale Prominenz anlocken konnte, darunter u.a. der russische Schriftsteller Dostojewski, welchen die Erlebnisse zu seinem Roman „Der Spieler“ inspirierten.

Bad Homburg
Bad Homburg: Kurhaus mit Spielbank, 1865

Als immer mehr Kritik gegen das Glücksspiel laut wurde, erließ Reichskanzler Bismarck im Jahr 1872 im gesamten deutschen Territorium ein Spielbankenverbot. Dieses setzte der etablierten Casino-Szene ein jähes Ende. Profitieren konnte davon die Stadt Monte Carlo, welche sich fortan einen Ruf als Glücksspielmetropole machte.

Bis heute erfreuen sich die Spielcasinos einer großen Beliebtheit. Die lange Tradition der einzelnen Einrichtungen wird auch heute noch immer wieder mit Stolz erwähnt und ein Casino-Besuch gilt als gesellschaftliches Ereignis, bei welchem einige Regeln, unter anderem ein spezieller Dresscode, beachtet werden müssen.

Ca. 1800: Das Pferderennen zieht ein großes Publikum an

Das ursprüngliche Wagenrennen wird heute nur noch in Form des Trabrennens ausgetragen. Im 18. Jahrhundert wurde das Galopprennen in England populär und verbreitete sich nach und nach auch in anderen Ländern. In Deutschland wurde die erste Galopprennbahn im Jahr 1822 in Bad Doberan eröffnet. Ursprünglich dienten die Rennen dazu, die besten Pferde zur Zucht auszuwählen, mit steigender Beliebtheit wurde dann aber speziell für den Sport gezüchtet.

Noch heute sind Pferdewetten vor allem in England weit verbreitet und gelten als gesellschaftlich sehr angesehene Form des Glücksspiels. Auch hier lässt sich natürlich die Gewinnchance durch ein entsprechendes Hintergrundwissen beeinflussen, viele Teilnehmer wetten aber auch ausschließlich zum Spaß und ohne vorher viele Informationen einzuholen.

1865: Der Totalisator revolutionierte die Wette

Beim Wetten gegen einen Buchmacher erhalten die Teilnehmer festgelegte Quoten. Es steht also bereits im Vorfeld fest, wie hoch der Gewinn ausfällt, wenn der Teilnehmer den Ausgang des Ereignisses richtig getippt hat.

Mitte des 19. Jahrhunderts kam eine neue Form der Wette auf: Am Totalisator wetten die Teilnehmer nicht gegen einen Buchmacher, sondern untereinander. Ursprünglich wurde der Totalisator für Pferderennen entwickelt, kommt aber bis heute auch beim Lotto, beim sogenannten Fußballtoto und ähnlichen Spielen zum Einsatz. Je weniger Spieler auf ein mögliches Ereignis setzen, desto höher fällt der Gewinn aus, wenn dieses Ereignis eintritt.

Die Gelder der Spieler werden, abzüglich einer Gebühr für den Veranstalter, bei Totalisator-Wetten unter den Siegern aufgeteilt. Da sich die Quote bei dieser Form des Wettens bis zum Schluss ändert, können keine festen Gewinne angegeben werden. Beim Lotto beispielsweise erfährt der Teilnehmer erst nach der Ziehung der Zahlen, wie hoch sein Gewinn ist. Bei Pferderennen werden in der Regel vorläufige Quoten angegeben, die jedoch nicht bindend sind.

Für den Veranstalter hat die Totalisator-Wette den Vorteil, dass er kein Risiko eingeht. Ein Buchmacher ist zwar ebenfalls auf Gewinn ausgerichtet, kann aber unter Umständen dennoch einen Verlust bei einem Sportereignis machen. Bei der Totalisator-Wette dagegen fungiert der Veranstalter nicht als Wettgegner, sondern als sogenannter Totalisator, welcher die Wetten lediglich vermittelt.

1867: Dostojewskis „Der Spieler“

Der berühmte Roman von Fjodor Dostojewski erschien im Jahr 1867 und spielt in der fiktiven Stadt „Roulettenburg“. Es ist anzunehmen, das die Stadt Bad Homburg mit ihrem berühmten Casino das Vorbild für den Roman war, denn dort spielte Dostojewski selbst zeitweise leidenschaftlich Roulette.
In dem Roman geht es um einen hochgradig verschuldeten russischen General, der spielsüchtig ist und sein gesamtes Geld beim Roulette durchgebracht hat. Die Hoffnung, dass die reiche Erbtante ihn von seinen Schulden befreien könnte löst sich in Luft auf, als diese ebenfalls ihr gesamtes Vermögen beim Roulette verliert. 
Nach und nach verliert der General durch das Spiel nicht nur sein gesamtes Vermögen, sondern auch seine Freundin und weitere soziale Kontakte.

Der Roman Dostojewskis diente als Vorlage für die gleichnamige Oper von Sergej Prokofjew.

Kriegszeiten – auch für das Glücksspiel

Das Verbot von 1872 konnte keineswegs verhindern, dass das Spielen weiterhin ein fester Teil der Gesellschaft blieb. Es änderte sich lediglich der Rahmen, in dem die Bevölkerung ihrem Spieltrieb nachging. Illegale Zusammenschlüsse gründeten sich, das Glücksspiel im Untergrund begann.

Zwischenzeitliche Bestrebungen, das Spielen wieder zu legalisieren, wurden während der Weimarer Republik verworfen – auch im Hinblick auf die Gefahr der Spielsucht –, sodass das Verbot erst 1933 durch die Nazis aufgehoben wurde. Die meisten Casinos mussten dennoch zum Ende des Krieges hin wieder schließen. Die Traditionshäuser wie beispielsweise die Spielbank Baden-Baden konnte nach ihrer Wiedereröffnung in der neuen Bundesrepublik nie wieder an ihren früheren Erfolg anknüpfen.

1867: Ab 1895: „Geschicklichkeitsspiele“ am Automaten

Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den Vereinigten Staaten die ersten Spielautomaten entwickelt. Die Liberty Bell, die der deutschstämmige Maschinenbauer Charles August Fey in San Francisco erfand, war das erste Exemplar mit einem 3-Walzen-System.

Spielautomaten

Die Unterhaltungstechnik fand auch schnell den Weg nach Europa, war jedoch im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik im Rahmen des Glücksspielverbots nicht zugelassen. Erlaubt waren allerdings Geschicklichkeitsspiele, sodass viele weitere Automaten, die zwar ohne finanziellen Einsatz und die Chance auf Geldgewinne funktionierten, konstruiert wurden.

Gegenwart: Wetten im Internet gewinnen an Bedeutung

Genau wie bei den Spielautomaten verlagert sich auch das Wetten zunehmend auf das Internet. Hier können deutlich mehr Wettmöglichkeiten angeboten werden und es können sogar während eines laufenden Spiels sogenannte Live-Wetten in Echtzeit platziert werden. Auch die Gebühren sind niedriger, denn die Betreiber von Online-Wetten haben deutlich geringere Fixkosten im Vergleich zu niedergelassenen Buchmachern. Dennoch gibt es auch heute noch klassische Wettbüros. Vor allem an den Pferderennbahnen ist das Wetten vor Ort nach wie vor sehr beliebt, denn dieses wird häufig als soziales Ereignis betrachtet und der Gang zum klassischen Wettschalter gehört dabei für viele Teilnehmer einfach dazu.

Losgelöst von Ort und Zeit – Das Glücksspiel im Online-Zeitalter

Die zunehmende Technisierung und Digitalisierung ist auch an der Glücksspiel-Industrie nicht vorbeigegangen. Seit etwa Mitte der 1990er-Jahre gibt es für Spieler die Möglichkeit, im Internet ihr Glück herauszufordern. Was damals noch eine Seltenheit war, ist heute alltäglich. Die Auswahl an Online-Casinos ist nur noch schwer zu überblicken.

Auch das Angebot ist quasi allumfassend. Du kannst dich im Internet an den Klassikern aus dem Casino – Roulette, Black Jack, Poker – versuchen und ebenso viele andere Glücksspiele ausprobieren. Darunter fallen beispielsweise Würfel-, Kartenspiele und Lotterien, also im Prinzip alle Varianten, die die Geschichte des Spiels maßgeblich geprägt haben.

online

Die Einführung der Online-Casinos machte das Spiel unabhängig von Ort und Zeit. Im Internet kann jederzeit eine Runde gespielt werden, egal wo. Zudem stellen viele Anbieter ihre Auswahl sogar im kostenlosen Spielgeldmodus zur Verfügung, ein weiterer Vorteil gegenüber den lokalen Casinos.

Glücksspielregelungen weltweit

Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland

Seit dem Jahr 2008 ist das Glücksspiel in der Bundesrepublik Deutschland durch einen Staatsvertrag zwischen den einzelnen Bundesländern geregelt. Ziel dieses Zusammenschlusses ist es, den Spieler- und Jugendschutz zu stärken, um Spielsucht zu bekämpfen bzw. vor der Entstehung zu verhindern. Desweiteren soll mit den einheitlichen Regelungen das Angebot begrenzt und für die gesetzeskonforme Durchführung der Spiele gesorgt werden. So möchte der Staat Betrügereien und kriminellen Machenschaften vorbeugen.

Strenge Regelungen – Glücksspiel in den USA

In den Vereinigten Staaten entwickelte sich eine lebendige Glücksspielszene, in den meisten großen Städten gründeten sich in den Salons eigene Spielstätten. Einen harten Einschnitt markierte das strikte Verbot des Glücksspiels, welches zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Kraft trat. Erst in den frühen 1930er-Jahren wurde im Staat Nevada das Spielen wieder erlaubt, eine Ausnahme, die die Fortentwicklung Las Vegas‘ zum „Mekka des Glücksspiels“ ermöglichte. Ab 1978 durfte auch im Bundesstaat New Jersey wieder gespielt werden, an der Ostküste entwickelte sich Atlantic City zu einer prägenden Metropole des Glücksspiels. Eine weitere Ausnahme bilden die Indianerreservate Amerikas, auch dort ist das Spielen legal, weshalb sich in diesen Gebieten viele Casinos angesiedelt haben.

Las Vegas
Las Vegas bei Nacht

Glücksspiel in China

Bei den Chinesen hat das Glücksspiel keinen schlechten Ruf und gehört für viele Menschen zum Alltag einfach dazu. Dabei ist es eigentlich im gesamten China mit Ausnahme der Sonderverwaltungszone Macau verboten. Heutzutage wird dieses Verbot nicht besonders strikt umgesetzt und gerade das Glücksspiel im privaten Bereich ist weit verbreitet. Gespielt wird zu nahezu jedem Anlass: Bei Familientreffen, auf Festen und sogar auf Beerdigungen.
Bei den überwiegenden Mehrzahl der chinesischen Spieler spielt der Aberglaube eine große Rolle: Bestimmte Zahlen, Rituale und Verhaltensweisen sollen das Glück beeinflussen und so dem Spieler zu einem Gewinn verhelfen. 
Bereits seit mehreren tausend Jahren wird in China gespielt. Die Spiele selber haben sich zwar verändert und weiterentwickelt, die mystische Komponente aber ist geblieben. Auch die häufig erlassenen Verbote und die drastischen Strafen, die unter den verschiedenen Regierungen verhängt wurden, konnten die Leidenschaft der Spieler nicht reduzieren und gerade die Beamten jener Regierungen waren es oft selbst, die besonders viel und um hohe Einsätze spielten. 
Eine Theorie für den großen Hang der Chinesen zum Glücksspiel ist, die Überzeugung, dass das Schicksal von externen Mächten beeinflusst wird. Schließlich lassen sich der mehrheitlichen Überzeugung nach die externen Mächte durch bestimmte Verhaltensweisen beeinflussen, was letztendlich dafür sorgt, dass die Spieler glauben, ihr Glück selber in der Hand zu haben, selbst wenn es sich nachgewiesenermaßen um ein ausschließlich vom Zufall abhängiges Spiel wie beispielsweise Roulette handelt.

Macau stellt sogar Las Vegas in den Schatten

Während das Glücksspiel in China illegal ist und dieses auch in der Vergangenheit unter den meisten Regierungen bereits war, wurde es in Macau bereits im Jahr 1847 legalisiert. Seit diesem wichtigen Schritt sind die Einnahmen der Casinos ein wichtiger Teil des Bruttoinlandsprodukts. Bereits damals zog die Möglichkeit, legal um Geld zu spielen, viele Chinesen vom Festland auf die Insel. Heute machen die Casinos von Macau sechsmal so viel Umsatz wie die in Las Vegas und verweisen die amerikanische Hauptstadt des Glücksspiels somit ganz klar auf Platz 2.

Eine bewegte Geschichte, die noch lange nicht am Ende ist

Das Glücksspiel kann auf eine spannende Geschichte zurückblicken, die immer eng mit der Gesellschaft und den Herrschenden verbunden war. Auch heute reguliert der Staat mit seinen Gesetzen in den meisten Regionen der Welt das Spiel.

Roulette

Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Glücksspiel in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelt, denn alle technischen Fortschritte, die die Zukunft bereit hält, werden mit Sicherheit auch auf die mächtige Unterhaltungsindustrie Einfluss nehmen.

 

Quellenangaben

  • https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/gluecksspiel/Forschungsarbeiten/Naether.pdf
  • http://www.badische-zeitung.de/panorama/die-chinesen-ein-volk-von-zockern–77974551.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Totalisator
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Spielbank