Spielsucht

Schon immer hat das Glücksspiel viele Völker der Erde in seinen Bann gezogen. Einige Menschen sind von dieser Faszination mehr, andere weniger betroffen. Seit es Glücksspiele gibt, gibt es auch Menschen, welche dem besonderen Reiz des risikohaften Spiels nicht widerstehen können und über ein vernünftiges Maß hinaus spielen, ohne das eigene Spielverhalten kontrollieren zu können. Was genau „pathologisches Spielen“ bedeutet, in welchen Symptomen es sich äußert und wie es sich bekämpfen lässt, wollen wir diesem Text erklären.

Die (suchthafte) Faszination des Glücksspiels gibt es bereits seit deren Entstehung. Konkrete Überlieferungen dazu gibt es allerdings erst seit etwa dem Beginn der christlichen Zeitrechnung. Unter den Germanen kam es beispielsweise des Öfteren vor, dass der gesamte Besitz oder sogar die persönliche Freiheit beim Spielen eingesetzt wurde.

Im Mittelalter fürchteten viele Herrscher die Auswirkungen des Glücksspiels auf ihre Untertanen. Es wurde davon ausgegangen, dass ohne eine Einschränkung des Spiels die Arbeit vernachlässigt würde und die Bürger ihren Pflichten gegenüber der herrschenden Klasse nicht mehr nachkommen könnten.

In der Weimarer Republik spielte die Sucht ebenfalls eine Rolle. Die Versuche, das Spielbankverbot, welches 1872 im Deutschen Reich erlassen wurde, außer Kraft zu setzen, scheiterten an den Bedenken der Machthaber, welche sie der Spielsucht gegenüber hegten.

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Die Entstehung der Sucht

Auch bei gesunden Menschen aktiviert das Spielen das Belohnungszentrum im Gehirn. Bei einem Gewinn werden neuronale Botenstoffe, die sogenannten Endorphine, ausgeschüttet und sorgen dafür, dass sich der Spieler gut fühlt. Die selben Botenstoffe werden auch bei der Einnahme von stimmungsaufhellenden Drogen wie beispielsweise Kokain ausgeschüttet.

Dadurch, dass nicht jedes Spiel gewonnen wird, sondern auch immer wieder Phasen ohne Gewinne überwunden werden müssen, wird das Suchtverhalten sogar noch verstärkt: Da der Spielende niemals genau weiß, wann er einen Gewinn erhält, ist er auch nach einem erneuten Verlust stets motiviert, einen weiteren Einsatz zu machen, um vielleicht beim nächsten Mal erfolgreich zu sein. In der operanten Konditionierung beim Training von Tieren wird diese intermittierende Verstärkung angewendet, um ein langanhaltendes und besonders löschungsresistentes Verhalten anzutrainieren. Leider funktioniert genau das auch beim Menschen, weswegen eine einmal entstandene Spielsucht nicht leicht zu therapieren ist und Rückfälle häufig vorkommen. Dennoch sollten Betroffene die Hoffnung nicht aufgeben, denn auch wenn die Therapie der Sucht langwierig und anstrengen ist, lohnt sich die Mühe.

Übersicht: Gesundes, problematisches und pathologisches Spielverhalten

MerkmalDauerAufhörenEinsatzSoziale Kontakte
Gesundes SpielverhaltenDas Spiel ist zeitlich begrenzt.Der Spieler kann jederzeit aufhören.Es wird nur Geld eingesetzt, dessen Verlust kein Problem für den Spieler darstellt.Das Sozialleben ist wird durch das Spielen nicht beeinflusst.
Problematisches SpielverhaltenGelegentlich wird die Zeit beim Spielen vergessen.Das Spiel wird sehr ungern beendet, der Spieler muss sich hierzu durchringen.Gelegentlich wird mehr Geld eingesetzt, als ursprünglich geplant war.Eine beginnende Vernachlässigung von sozialen Kontakten und Pflichten zu Gunsten des Spiels ist erkennbar.
Pathologisches SpielverhaltenDer Spieler spielt meist länger als geplant oder bis kein Geld mehr zum Spielen vorhanden ist.Es wird immer mehr gespielt. Ein eigenmächtiges Beenden des Spiels ist oft nicht möglich.Der Erkrankte spielt deutlich über seine Verhältnisse, wodurch das verspielte Geld an anderer Stelle fehlt.Das Sozialleben wird vernachlässigt. Sobald die Möglichkeit vorhanden ist, wird stattdessen lieber gespielt.

Die Symptome – Wie erkenne ich, ob ich süchtig bin?

Oftmals sind die Grenzen zwischen einem „normalen“ Spielverhalten und dem „pathologischen Spielen“ fließend und nicht auf Anhieb zu erkennen. Es gibt allerdings einige Symptome, die auf eine Spielsucht hinweisen können, weshalb die potentiell Betroffenen oder deren Angehörige diese genau im Blick behalten sollten.

Zu diesen Symptomen gehört beispielsweise der Zwang, immer wieder spielen zu müssen und die Leugnung der Sucht vor Mitmenschen. In vielen Fällen wird ohne ersichtlichen Grund das persönliche Umfeld vernachlässigt, auch starke Stimmungsschwankungen sind keine Seltenheit. Um dem krankhaften Drang nachgehen zu können, investiert der Betroffene viele Gedanken daran, sich das nötige Geld zum Spielen zu beschaffen, nicht selten auf illegale Art und Weise. Finanzielle Schwierigkeiten sind fester Bestandteil der Spielsucht.

Checkliste: Das sind die Symptome der Spielsucht

  • häufiges Spielen
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte zu Gunsten des Spiels
  • intensive gedankliche Beschäftigung mit dem Spiel (Taktiken, Planung der „Spielzeit“, etc.)
  • Unfähigkeit, mit dem Spielen aufzuhören
  • Versuch, die Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen
  • Verheimlichung oder Verharmlosung des eigenen Spielverhaltens
  • finanzielle Schwierigkeiten
  • Verschuldung
  • legale oder illegale Versuche der Geldbeschaffung
  • Veränderung der Persönlichkeit (Unruhe, Gereiztheit, sozialer Rückzug)
  • Entwicklung von begleitenden psychischen Erkrankungen (Depressionen, Suizidgedanken oder -Versuche, andere Süchte (Alkohol, Drogen, etc.)

Die in der Liste genannten Symptome weisen auf eine Spielsucht hin. Auch bei einer ausgeprägten Erkrankung müssen nicht zwangsläufig alle Kriterien vorliegen.

Die Ursachen – Individuelle Unterschiede

Bei der Frage nach den Ursachen von Spielsucht ist es schwer, eine pauschale Antwort zu finden. Es ist vielmehr von Person zu Person unterschiedlich, welche Gründe dem Abdriften in das „pathologische Spielen“ zugrunde liegen. Häufig entwickelt sich eine Sucht, um negativen Gefühlen wie Angst, Schuldgefühlen oder Depressionen zu entkommen. Diese können ihren Hintergrund in der Kindheit oder Jugend haben (z.B. früher Verlust eines Elternteils, Gewalterfahrungen, soziale Ausgeschlossenheit) oder auf unbewältigte Lebenskrisen im Erwachsenenalter zurückzuführen sein (z.B. fehlende berufliche und private Perspektiven, Konfliktsituationen oder Krankheit).

Der Verlauf – Drei Phasen der Sucht

Die Spielsucht lässt sich in ein idealtypisches Schema einordnen, das aus drei Phasen besteht: der Gewinnphase, der Verlustphase und der Verzweiflungsphase. Nicht bei jedem Erkrankten verläuft der Weg in die Sucht streng nach den genannten Phasen.

1. Gewinnphase

Der Betroffene kommt zum ersten Mal mit Glücksspiel in Kontakt. Dabei feiert er zunächst Erfolge, die sein Selbstbewusstsein stärken, die Besuche im Casino werden häufiger. Der Spieler baut Verbindungen zur Szene auf und ist bereit, größere Geldbeträge in das Spielen zu investieren. Er entwickelt einen unrealistischen Optimismus sowie Wunschgedanken und setzt immer höhere Beträge ein.

2. Verlustphase

Das Spielen wird zu einem häufigen Zeitvertreib im Leben, die Risikobereitschaft nimmt zu. Mit ihr kommen die Verluste, die der Betroffene aber glaubt wieder „hereinholen“ zu können – ein Teufelskreis entsteht. Statt der erhofften Gewinne häufen sich die Verluste, die der Spieler allerdings bagatellisiert. Um immer weiter spielen zu können, werden Schulden aufgenommen. Familie und Freunde treten in den Hintergrund. Anders als in der dritten Phase der Sucht können die Betroffenen jetzt noch einige Zeit ohne Spielen verbringen bzw. es unterbrechen.

3. Verzweiflungsphase

In der dritten Stufe verliert der Süchtige völlig die Kontrolle über sein Spielverhalten. Es ist ihm unmöglich, sich ein Zeit- oder Geldlimit zu setzen, der verfügbare Einsatz wird komplette verspielt, Gewinne sofort wieder in das Spiel investiert. Um Begleiterscheinungen wie Abwesenheit und Unpünktlichkeit zu rechtfertigen, wird häufig gelogen. Zur Beschaffung des Geldes zieht der Betroffene mittlerweile auch kriminelle Handlungen in Betracht.

Nach hohen Verlusten oder gescheiterten Versuchen, sich vom Spiel zu entfernen, plagen den Süchtigen Schuldgefühle, die sich bis hin zu konkreten Selbstmordgedanken entwickeln können. Der komplette Rückzug aus der Gesellschaft und die völlige Entfremdung von der Familie sind fester Bestandteil dieser Phase.

Das Phasenmodell bestätigt sich – Ein Erfahrungsbericht

Dass sich der Verlauf einer Spielsucht in vielen Fällen wirklich in dem Schema der drei Phasen fassen lässt, zeigen die folgenden Ausschnitte aus Erfahrungsberichten betroffener Spieler.

Eine Frau, die mehrere Jahre brauchte, um sich ihr krankhaftes Spielverhalten einzugestehen, berichtet, wie alles begann: „Alles fing, wie bei allen, ganz harmlos an. Ein Getränk in meiner Stammkneipe und fünf Mark in den Spielautomat, vielleicht habe ich ja Glück! Leider hatte ich dies auch. Am Anfang war alles noch reiner Spaß und ich habe oft gewonnen, und wenn nicht, habe ich einfach aufgehört. Immer öfter steckte ich mein Geld in diese Kisten, zum Zeitvertreib. Ich merkte gar nicht, wie kurz die Abstände waren und wie die Summen, die ich investierte, immer höher wurden.“

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Über die Zeit, in der die Sucht nach dem Spielen ihr Leben bestimmte, schreibt sie Folgendes: „Ohne Spielen ging nichts mehr. In meinem Kopf drehte sich alles ums Spielen, jede Minute, die ich nicht spielen konnte, hat mich frustriert. Tag und Nacht dachte ich nur noch an das eine: Spielen! Morgens dachte ich darüber nach, wo ich Geld zum Spielen herbekomme, mittags hatte ich das gleiche Problem, weil ich das morgens beschaffte Geld schon verspielt hatte. Mit Lügen oder nichtigen Ausreden beschaffte ich mir finanziellen Nachschub. Viele Freunde habe ich in dieser Zeit verloren. Nicht nur durch meine Lügen. Ich hatte ja gar keine Zeit mehr für irgendjemand anderen. Meine Familie habe ich im Stich gelassen.“

Dieses Beispiel macht deutlich, wie eine Spielsucht in vielen Fällen abläuft: Nach einem harmlosen Einstieg mit ein paar Gewinnen wird das Glücksspiel zu einem beliebten Zeitvertreib, bevor es in der Suchtphase schließlich über allem steht und das komplette persönliche Umfeld in den Hintergrund treten lässt.

Die Behandlung – Selbsthilfegruppe empfehlenswert

Ist ein Betroffener an dem Punkt angelangt, sich professionelle Hilfe holen zu wollen, hat er die Möglichkeit, sich entweder ambulant oder stationär behandeln zu lassen. Die Therapieformen unterscheiden sich nicht besonders, für Patienten, die intensivere Hilfe benötigen, empfiehlt sich allerdings die stationäre Behandlung. Letztere dauert in der Regel zwischen fünf und neun Wochen und ist an einen Aufenthalt in einer Suchtklinik oder einer ähnlichen Institution gebunden, die ambulante Form dauert normalerweise sechs bis zwölf Monate.

Während der Behandlung werden das konkrete Spielverhalten sowie die langfristige Motivation des Patienten abgeklärt. In ihrem weiteren Verlauf widmet sich die Therapie den Hintergründen der Sucht – bspw. Familienschwierigkeiten, berufliche Probleme, Depressionen – und versucht diese in den Griff zu bekommen. Außerdem erlernt der Süchtige Bewältigungsstrategien, die ihm zu mehr Selbstkontrolle verhelfen sollen. Auch die Rückkehr bzw. das Erlernen von einem normalen Umgang mit finanziellen Mitteln wird thematisiert.

Neben Einzelgesprächen sind auch Sitzungen in der Gruppe während der Therapie verpflichtend. Im Austausch mit anderen Patienten analysieren die Betroffenen die ihrem Spiel zugrundeliegenden Verhaltensmuster und erarbeiten zielorientierte Veränderungen.

Im Anschluss an die Behandlung empfiehlt es sich für die Patienten, in einer Selbsthilfegruppe weiterhin an ihrer Suchtproblematik zu arbeiten.

So funktioniert die Therapie

Bei der Therapie der Spielsucht müssen die Betroffenen den Umgang mit Geld neu erlernen. Da sich das Verhältnis zum Geld oft durch hohe Einsätze verändert hat, müssen die Betroffenen den Wert kleinerer Beträge oftmals erst wieder kennenlernen. Das Geldmanagement wird in der stationären und ambulanten Therapie oft durch ein relativ knapp bemessendes Budget für die alltäglichen Ausgaben trainiert.

Um die Rückfallgefahr möglichst gering zu halten, ist es oftmals nötig, dem alten Umfeld den Rücken zu kehren. Der Gang an der Spielhalle vorbei oder der Kontakt mit alten „Kollegen“ aus dem Casino triggert das Suchtverhalten oft erneut. In vielen Fällen bietet sich hier zu Beginn der Therapie eine stationäre Phase an.

Das Spiel wird bei Süchtigen dazu verwendet, Glücksgefühle zu erzeugen. Daher ist es ein wichtiger Bestandteil der Therapie, anderweitig Befriedung zu erhalten und Verhaltensweisen zu erlernen, bei denen ebenfalls positive Botenstoffe im Gehirn freigesetzt werden. Sport ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit, Glücksgefühle und Erfolgserlebnisse abseits des Glücksspiels zu erleben.

Eine Sucht gilt niemals als komplett geheilt und auch bei Spielsüchtigen besteht immer eine gewisse Rückfallgefahr. Ziel einer Therapie ist es daher auch, diese Gefahr anzuerkennen und Notfallpläne zu erarbeiten, um nicht erneut in die Sucht abzurutschen.

Einmal von einer Spielsucht betroffene Patienten sollten sich auch nach erfolgreicher Therapie vom Glücksspiel fernhalten. Ähnlich wie bei einem trockenen Alkoholiker ist gelegentlicher „Konsum“ der „Droge“, ohne dabei erneut in die Sucht abzurutschen nur bei einer sehr kleinen Minderheit möglich.

Beratungsstellen – Hilfe vor Ort

Für diejenigen, die sich ob ihres Spielverhaltens und einer eventuellen Sucht unsicher sind, gibt es viele Stellen, an die man sich mit seinen Fragen wenden kann. Eine dieser Adressen sind die Anonymen Spieler, eine Interessengemeinschaft, die sich gemeinsam gegen Spielsucht engagiert. Sie beraten, organisieren sich in Selbsthilfegruppen und bei ihnen erhalten Interessierte außerdem aufschlussreiche Literatur zum Thema.

In vielen deutschen Städten findet sich außerdem die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, bei der es möglich ist, sich in Sachen Spielsucht Hilfe zu holen. Betroffene können sich beraten, über Behandlungsmöglichkeiten aufklären oder sich in eine Selbsthilfegruppe vermitteln lassen. Um herauszufinden, ob es in der Nähe eine solche Fachstelle gibt, empfiehlt sich am besten eine Recherche direkt im Internet. Einen groben Überblick über Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Suchtkliniken bietet die Seite spielsucht-therapie.de.

BeratungsstelleKontakt
Online-Beratung der BZgAwww.check-dein-spiel.de/
Kostenlose telefonische Beratung der BZgA0800-1372700
Hilfe zur Suchtbekämpfung und Therapiewww.spielsucht-therapie.de/
Infomaterial und Hilfe für Betroffene und Angehörigewww.spielen-mit-verantwortung.de
Umfassende Informationen zur Glücksspiel-Suchtwww.automatisch-verloren.de

Spielsucht wird vom Umfeld oftmals nicht als Krankheit anerkannt

Leider begegnen Spielsüchtige oft vielen Vorurteilen in ihrem Umfeld, welche ihnen den Umgang mit ihrer Krankheit erschweren. Ein häufiges Vorurteil ist, dass der Betroffene einfach nur über zu wenig Selbstdisziplin verfügt. „Reiß dich mal am Riemen und hör einfach auf mit dem Spielen“ ist eine typische, allerdings absolut nicht hilfreiche Aussage, die Erkranke zu hören bekommen.

Genau wie bei anderen Süchten ist der Patient in einem schwer zu durchbrechenden Kreislauf gefangen. Um die Spielsucht zu besiegen, bedarf es in der Regel professioneller Hilfe. Daher sollten die Betroffenen ernst genommen werden, wenn sie von ihrer Krankheit berichten.

Im ICD 10, dem wichtigsten weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem der Medizin, wird die Spielsucht unter den Störungen der Impulskontrolle eingeordnet und gilt damit als anerkannte Krankheit, deren Behandlung von den Krankenkassen übernommen wird.

Auch die Betroffenen selbst gestehen sich ihre Sucht oft erst sehr spät ein. Aussagen wie „Ich kann jederzeit aufhören“ , sind hier häufig. Durch die häufige gesellschaftliche Stigmatisierung fällt es schwerer, sich seine Erkrankung bewusst zu machen.

Die Prävention – Staatliche Kontrolle des Glücksspiels

In Deutschland schaut der Staat nicht tatenlos zu, wenn es darum geht, das Aufkommen von Spielsucht zu verhindern. Seit 2008 gibt es deshalb den Glücksspielstaatsvertrag, der von den Bundesländern unterzeichnet wurde und das Glücksspiel nur unter strengen Auflagen für die Betreiber ermöglicht. Zwar unterscheiden sich die Regelungen in den Ländern aufgrund des föderalen Systems ein wenig, in den wichtigsten Punkten stimmen sie allerdings überein.

Die Begründung der staatlichen Aufsicht über das Glücksspiel liegt im Spielerschutz begründet und damit natürlich auch darin, die Spielsucht zu bekämpfen. Dabei wird das Angebot an Glücksspielen begrenzt und die ordnungsgemäße Durchführung sichergestellt. Auch der Folge- oder Begleitkriminalität soll durch den Glücksspielstaatsvertrag vorgebeugt werden.

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Nicht nur der Staat, sondern auch viele Anbieter – ob online oder offline – weisen immer wieder auf die Gefahren der Spielsucht hin. Auf vielen Internetseiten bekannter Casinos, Buchmacher oder Lotterien findest du Hinweise zu Suchtgefahr, Selbsttests und Beratungsangeboten.

Gefährdete Spieler können sich selber sperren lassen

Spielsüchtige können sich selber schützen, indem sie sich freiwillig vom Spiel ausschließen lassen. In staatlichen Casinos kann dieser Ausschluss auf Antrag des Spielers erfolgen und gilt für mindestens ein Jahr. Danach kann er durch einen schriftlichen Antrag des Spielers wieder aufgehoben werden. Durch die freiwillige Selbstsperre erhalten die Süchtigen im betreffenden Casino keinen Einlass mehr und können dort nicht mehr spielen. Auch in seriösen Online Casinos ist der Selbstausschluss möglich. In der Regel ist auf der Website des Casinos ein Bereich zum Thema „verantwortungsbewusstes Spielen“ vorhanden, wo der Spieler Einzahlungslimits festlegen oder sich komplett für das Spielen sperren lassen kann.

In den niedergelassenen Spielhallen dagegen besteht nicht überall die Möglichkeit, sich selber sperren zu lassen. Hier kann der Spieler sich zwar Hausverbot erteilen lassen, die Betreiber der Spielhallen sind hierzu aber nicht verpflichtet, wie zuletzt in einem Gerichtsstreit zwischen zwei Spielsüchtigen und den Merkur-Spielhallen bestätigt wurde. Die Spieler wollten durchsetzen, dass sie in der Spielhalle ein Hausverbot erhalten und dadurch dort kein weiteres Geld verspielen können. Dies lehnte der Spielhallenbetreiber ab und bekam vor Gericht recht. Er kann nach eigenem Ermessen Hausverbote aussprechen und muss dabei dem Wunsch der Spieler nicht nachkommen.

Möglichkeiten der Selbstsperrung in Casinos, Spielotheken und Online Casinos

CasinoSpielothekOnline Casino
Das Einrichten einer Selbstsperre ist möglich. Erhält ein Spieler trotz gültiger Sperre Einlass in ein Casino, so ist er für eventuelle Verluste zu entschädigen.In Spielotheken eine Selbststperre einzurichten, ist nicht in allen Bundesländern verbindlich möglich.Bei legal in Deutschland zugelassenen Glücksspielen ist eine Selbstsperre möglich und für den Anbieter verpflichtend.

Spielsüchtige sind gut zahlende Kunden

Die Anbieter von Glücksspielen haben gegenüber den Kunden eine hohe Verantwortung, denn Spielsucht sollte niemals verharmlost werden und kann zu großen Problemen führen. Dennoch sind Süchtige bei einigen Betreibern gern gesehene Kunden, denn auch wenn nur ein kleiner Prozentsatz aller Spieler ein ausgeprägtes Suchtverhalten zeigt, sind es doch genau diese Spieler, die einen besonders großen Umsatz generieren und damit besonders wichtige Kunden für die Betreiber von Spielhallen und (Online-) Casinos sind.

Aus dieser Perspektive kann die oben beschriebene Verweigerung des Hausverbots durch einen Spielhallenbetreiber nachvollzogen werden, auch wenn es auch moralischer Sicht äußerst zweifelhaft ist, seinen Gewinn auf dem pathologischen Verhalten von kranken Menschen aufzubauen. Durch die staatlichen Vorgaben zum Spielerschutz muss aber jeder Anbieter von Glücksspielen auf die damit verbundenen Gefahren hinweisen und den die Auflagen zum Schutz der Kunden erfüllen.

Online-Glücksspiel als besondere Gefahr für Süchtige

Mit der Legalisierung von Online-Casinos ist das Spielen im Internet zu jeder Tageszeit möglich. Die Registrierung und die Einzahlung können mit wenigen Klicks erfolgen und schon kann der Kunde mit dem Spielen beginnen. Dabei steht eine schier grenzenlose Auswahl an unterschiedlichen Online Casinos und Spielen verschiedener Marken zur Verfügung. Was auf der einen Seite ein Vorteil ist und stundenlange Unterhaltung bieten kann, ist für viele Spielsüchtige ein ernsthaftes Problem. Durch die ständige Verfügbarkeit des Glücksspiels müssen sie noch nicht einmal mehr das Haus verlassen, um ihrer Sucht nachzugehen.

Die bei der Spielsucht ohnehin schon vorhandenen Probleme, wie beispielsweise die soziale Isolierung, können durch das Spielen im Internet noch weiter verstärkt werden. Die Möglichkeit, das Außenstehende das Problem erkennen und dem Betroffenen Hilfe anbieten ist bei Online-Spielern deutlich geringer, da diese Sucht alleine und im Verborgenen ausgelebt wird. Die Tatsache, dass er Betroffene ein ernstzunehmendes Problem hat, kann daher lange Zeit unerkannt bleiben und wird vom Umfeld meistens erst bemerkt, wenn die Sucht schon sehr ausgeprägt ist und der Erkrankte durch finanzielle Probleme und soziale Abgrenzung auffällt.

Auch wenn der Erkrankte sein Problem erkannt hat und etwas dagegen unternehmen möchte, ist dies durch die jederzeit verfügbaren Online Casinos nicht grade einfach. Zwar besteht bei allen seriösen Betreiber die Möglichkeit, sich freiwillig vom Spiel ausschließen zu lassen, allerdings gibt es so viele Online Casinos, dass die Spieler sich bei einem Rückfall ganz einfach bei einem anderen Anbieter anmelden und dort weiterspielen können. Letztendlich ist die Selbstsperre daher zwar hilfreich beim Kampf gegen die eigene Sucht, bietet aber keinen sicheren Schutz bei einem Rückfall. Wer wirklich entschlossen ist zu spielen, der wird hierzu einen Weg finden. Im Rahmen einer wirksamen Therapie müssen daher weitere Verhaltensweisen erlernt werden, um einem Rückfall vorzubeugen und trotz der ständig vorhandenen Möglichkeiten nicht erneut mit dem Spielen zu beginnen.

Um die Spieler zu schützen, müssen sich die Online Casinos an strenge Auflagen halten. So muss zum Beispiel auf der Website eines Casinos ein klarer Hinweis auf die Gefahren des Glücksspiels vorhanden sein. Auch Links zu kostenlosen Hilfsangeboten und Beratungsstellen für Spielsüchtige sind auf den Websites der Casinos zu finden.

Die Verbreitung – Höheres Risiko für Männer

Inwieweit die Spielsucht ein Teil der deutschen Gesellschaft ist, versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihrer Untersuchung „Glücksspielverhalten- und Glücksspielsucht in Deutschland“, die alle zwei Jahre stattfindet, zu ermitteln.

Die Ergebnisse der letzten Studie haben gezeigt, dass zwar insgesamt weniger Menschen an Glücksspielen teilnehmen, die Zahl der pathologischen Spieler allerdings nicht abnimmt, sondern eher konstant bleibt. Als glückspielsüchtig eingeschätzt werden rund 1,3 % der Männer und 0,3 % der Frauen. Nach der Analyse sind zudem 1,2 % der Männer sowie 0,3 % der Frauen mit einem problematischen Spielverhalten – der Vorstufe zur Sucht – konfrontiert. Insgesamt können etwa 438.000 Menschen in diese beiden Zustände eingeordnet werden. Die Gruppe mit dem höchsten Risiko sind junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren, etwa 9 % sind entweder süchtig oder haben Probleme mit Glücksspielen. Einflussfaktoren sind außerdem Arbeitslosigkeit und ein Migrationshintergrund. Automatenspiele, Sportwetten und Online-Casinos sind die Orte, an denen die Problemspieler am häufigsten ihr Geld einsetzen. Entgegen der allgemein rückläufigen Teilnahme an Glücksspielen, steigt die Zahl derjenigen, die an Spielautomaten drehen.

Sicher spielen in Casino, Spielhalle und Internet

Glücksspiele bergen ein hohes Suchtpotential und sollten von gefährdeten Personen daher gemieden werden. Spielen kann aber auch Spaß machen und gegen ein verantwortungsbewusstes, gelegentliches Spielen ist nichts einzuwenden.

Wer Glücksspiele nutzt, sollte dabei aber einige wichtige Verhaltensregeln beachten, damit das Spielen ein unterhaltsames Hobby bleibt und nicht zum Verhängnis wird:

  • Setze stets nur Geld ein, welches du problemlos entbehren kannst: Das eingesetzte Guthaben sollte als Budget für das Hobby „Spielen“ betrachtet werden und nicht als Investition, mit welcher ein Gewinn erzielt werden soll.
  • Setze dir ein finanzielles Limit: Plane von vornherein, wie viel Geld du pro Tag, Woche oder Monat ausgeben möchtest und halte dich an deine eigenen Auflagen.
  • Setze dir ein zeitliches Limit: Verbringe nicht mehr Zeit mit dem Spielen, als ursprünglich geplant, wenn dies bedeuten würde, dass du dafür andere Aktivitäten vernachlässigst.
  • Plane Pausen ein: Kehre regelmäßig vom Spiel in die Realität zurück. Grade in Gewinnphasen besteht eine hohe Suchtgefahr, da das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird und durch hohe Gewinne oft der Blick für das richtige Maß verloren geht. Zu hohe Einsätze und ein riskantes Spielverhalten können die Folge sein.
  • Überprüfe regelmäßig anhand der Checklisten der Suchtberatungsstellen, ob bei dir ein pathologisches Spielverhalten vorliegen könnte und ergreife gegebenenfalls Gegenmaßnahmen.

Wenn Angehörige betroffen sind

Spielsüchtige gestehen sich ihre Sucht oft erst sehr spät ein. Wenn Angehörige eine Veränderung bei der betreffenden Person bemerken, die auf eine Spielsucht hindeutet, sollten sie dies offen ansprechen, auch auf die Gefahr hin, dass sich der Erkrankte zurückzieht.

Die zahlreichen Beratungsstellen für Spielsucht können und sollten nicht nur von den Erkrankten selber sondern auch von deren Angehörigen genutzt werden.

Spielsüchtige geraten durch ihre Erkrankung früher oder später in finanzielle Schwierigkeiten. Diese sollten von Angehörigen nicht aufgefangen werden, denn dies stellt keine echte Hilfe dar. Durch die Erkrankung wird letztendlich so lange gespielt, bis kein Geld mehr zum Spielen zur Verfügung steht. Darlehen oder das Ausgleichen vorhandener Schulden durch Angehörige machen die Situation daher nur noch verfahrener.

Zwangsweise helfen kann man einem Spielsüchtigen nicht. Der Wille zur Therapie muss vom Betroffenen selber kommen, eine Einweisung kann rechtlich nur bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung erfolgen. Dies ist zum Beispiel bei konkreten Suizidabsichten der Fall.

Die Sperre in einem Casino kann nicht nur durch den Betroffenen selbst, sondern auch durch andere Personen veranlasst werden (sogenannte Fremdsperre). Dabei erfolgt zunächst eine sofortige 14-tägige vorläufige Sperre und der Gesperrte erhält Gelegenheit, sich zu der Situation zu äußern. M Anschluss wird die Sperre entweder aufgehoben oder in eine normale Sperre mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr umgewandelt.

Allerdings löst die Fremdsperre das Problem nur in einem sehr begrenzten Rahmen, denn wie bereits erwähnt sind die Möglichkeiten zum Spielen nahezu unbegrenzt und in vielen Spielhallen ist beispielsweise keine Sperre möglich. Daher ist eine Bekämpfung der Spielsucht letztendlich nur möglich, wenn der Betroffen selbst dies will. Unterstützung aus dem Umfeld hilft allerdings dabei, die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie zu verbessern.

Ein nicht zu verharmlosendes Problem

Die Spielsucht betrifft nicht nur diejenigen, die ihr erliegen. Auch die Spielbetreiber und die Politik stehen in der Pflicht, das pathologische Spielen zu bekämpfen. Es ist wichtig, dass an der Prävention und dem Schutz der Spieler weiter gearbeitet wird, denn eines ist die Spielsucht wirklich nicht – als harmlos abzutun.

 

Quellenangaben