Spielsucht

– Symptome – Ursachen – Verlauf – Behandlung – Prävention – Verbreitung – Adressen –

Das Aufkommen von Glücksspielen hat viele Völker der Erde in seinen Bann gezogen. Einige Menschen sind von dieser Faszination mehr, andere weniger betroffen. Schon früh gab es die ersten, die dem Reiz des Spiels nicht widerstehen konnten und jedes Maß verloren, die Spielsucht entstand. Was genau „pathologisches Spielen“ bedeutet, in welchen Symptomen es sich äußert und wie es sich bekämpfen lässt, wollen wir diesem Text erklären.

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Die (suchthafte) Faszination des Glücksspiels gibt es bereits seit deren Entstehung. Konkrete Überlieferungen dazu gibt es allerdings erst seit etwa dem Beginn der christlichen Zeitrechnung. Unter den Germanen kam es beispielsweise des Öfteren vor, dass der gesamte Besitz oder sogar die persönliche Freiheit beim Spielen eingesetzt wurde. Auch im Mittelalter war das Glücksspiel vielen Herrschern suspekt, da sie fürchteten, dass ihre Untertanen die Arbeit vernachlässigten, wenn das Spielen nicht eingeschränkt würde. In der Weimarer Republik spielte die Sucht ebenfalls eine Rolle. Die Versuche, das Spielbankverbot, welches 1872 im Deutschen Reich erlassen wurde, außer Kraft zu setzen, scheiterten an den Bedenken der Machthaber, welche sie der Spielsucht gegenüber hegten.

Bin ich süchtig? – Die Symptome

Oftmals sind die Grenzen zwischen einem „normalen“ Spielverhalten und dem „pathologischen Spielen“ fließend und nicht auf Anhieb zu erkennen. Es gibt allerdings einige Symptome, die auf eine Spielsucht hinweisen können, weshalb die potentiell Betroffenen oder deren Angehörige diese genau im Blick behalten sollten.

Zu diesen Symptomen gehört beispielsweise der Zwang, immer wieder spielen zu müssen und die Leugnung der Sucht vor Mitmenschen. In vielen Fällen wird ohne ersichtlichen Grund das persönliche Umfeld vernachlässigt, auch starke Stimmungsschwankungen sind keine Seltenheit. Um dem krankhaften Drang nachgehen zu können, investiert der Betroffene viele Gedanken daran, sich das nötige Geld zum Spielen zu beschaffen, nicht selten auf illegale Art und Weise. Finanzielle Schwierigkeiten sind fester Bestandteil der Spielsucht.

Individuelle Unterschiede – Die Ursachen

Bei der Frage nach den Ursachen von Spielsucht ist es schwer, eine pauschale Antwort zu finden. Es ist vielmehr von Person zu Person unterschiedlich, welche Gründe dem Abdriften in das „pathologische Spielen“ zugrunde liegen. Häufig entwickelt sich eine Sucht, um negativen Gefühlen wie Angst, Schuldgefühlen oder Depressionen zu entkommen. Diese können ihren Hintergrund in der Kindheit oder Jugend haben (z.B. früher Verlust eines Elternteils, Gewalterfahrungen, soziale Ausgeschlossenheit) oder auf unbewältigte Lebenskrisen im Erwachsenenalter zurückzuführen sein (z.B. fehlende berufliche und private Perspektiven, Konfliktsituationen oder Krankheit).

Drei Phasen der Sucht – Der Verlauf

Die Spielsucht lässt sich in ein idealtypisches Schema einordnen, das aus drei Phasen besteht: der Gewinnphase, der Verlustphase und der Verzweiflungsphase.

1. Gewinnphase

Der Betroffene kommt zum ersten Mal mit Glücksspiel in Kontakt. Dabei feiert er zunächst Erfolge, die sein Selbstbewusstsein stärken, die Besuche im Casino werden häufiger. Der Spieler baut Verbindungen zur Szene auf und ist bereit, größere Geldbeträge in das Spielen zu investieren. Er entwickelt einen unrealistischen Optimismus sowie Wunschgedanken und setzt immer höhere Beträge ein.

2. Verlustphase

Das Spielen wird zu einem häufigen Zeitvertreib im Leben, die Risikobereitschaft nimmt zu. Mit ihr kommen die Verluste, die der Betroffene aber glaubt wieder „hereinholen“ zu können – ein Teufelskreis entsteht. Statt der erhofften Gewinne häufen sich die Verluste, die der Spieler allerdings bagatellisiert. Um immer weiter spielen zu können, werden Schulden aufgenommen. Familie und Freunde treten in den Hintergrund. Anders als in der dritten Phase der Sucht können die Betroffenen jetzt noch einige Zeit ohne Spielen verbringen bzw. es unterbrechen.

3. Verzweiflungsphase

In der dritten Stufe verliert der Süchtige völlig die Kontrolle über sein Spielverhalten. Es ist ihm unmöglich, sich ein Zeit- oder Geldlimit zu setzen, der verfügbare Einsatz wird komplette verspielt, Gewinne sofort wieder in das Spiel investiert. Um Begleiterscheinungen wie Abwesenheit und Unpünktlichkeit zu rechtfertigen, wird häufig gelogen. Zur Beschaffung des Geldes zieht der Betroffene mittlerweile auch kriminelle Handlungen in Betracht.

Nach hohen Verlusten oder gescheiterten Versuchen, sich vom Spiel zu entfernen, plagen den Süchtigen Schuldgefühle, die sich bis hin zu konkreten Selbstmordgedanken entwickeln können. Der komplette Rückzug aus der Gesellschaft und die völlige Entfremdung von der Familie sind fester Bestandteil dieser Phase.

Das Phasenmodell bestätigt sich – Ein Erfahrungsbericht

Dass sich der Verlauf einer Spielsucht wirklich in dem Schema der drei Phasen fassen lässt, zeigen die folgenden Ausschnitte aus Erfahrungsberichten betroffener Spieler.

Eine Frau, die mehrere Jahre brauchte, um sich ihr krankhaftes Spielverhalten einzugestehen, berichtet, wie alles begann: „Alles fing, wie bei allen, ganz harmlos an. Ein Getränk in meiner Stammkneipe und fünf Mark in den Spielautomat, vielleicht habe ich ja Glück! Leider hatte ich dies auch. Am Anfang war alles noch reiner Spaß und ich habe oft gewonnen, und wenn nicht, habe ich einfach aufgehört. Immer öfter steckte ich mein Geld in diese Kisten, zum Zeitvertreib. Ich merkte gar nicht, wie kurz die Abstände waren und wie die Summen, die ich investierte, immer höher wurden.“

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Über die Zeit, in der die Sucht nach dem Spielen ihr Leben bestimmte, schreibt sie Folgendes: „Ohne Spielen ging nichts mehr. In meinem Kopf drehte sich alles ums Spielen, jede Minute, die ich nicht spielen konnte, hat mich frustriert. Tag und Nacht dachte ich nur noch an das eine: Spielen! Morgens dachte ich darüber nach, wo ich Geld zum Spielen herbekomme, mittags hatte ich das gleiche Problem, weil ich das morgens beschaffte Geld schon verspielt hatte. Mit Lügen oder nichtigen Ausreden beschaffte ich mir finanziellen Nachschub. Viele Freunde habe ich in dieser Zeit verloren. Nicht nur durch meine Lügen. Ich hatte ja gar keine Zeit mehr für irgendjemand anderen. Meine Familie habe ich im Stich gelassen.“

Dieses Beispiel macht deutlich, wie eine Spielsucht in vielen Fällen abläuft: Nach einem harmlosen Einstieg mit ein paar Gewinnen wird das Glücksspiel zu einem beliebten Zeitvertreib, bevor es in der Suchtphase schließlich über allem steht und das komplette persönliche Umfeld in den Hintergrund treten lässt.

Selbsthilfegruppe empfehlenswert – Die Behandlung

Ist ein Betroffener an dem Punkt angelangt, sich professionelle Hilfe holen zu wollen, hat er die Möglichkeit, sich entweder ambulant oder stationär behandeln zu lassen. Die Therapieformen unterscheiden sich nicht besonders, für Patienten, die intensivere Hilfe benötigen, empfiehlt sich allerdings die stationäre Behandlung. Letztere dauert in der Regel zwischen fünf und neun Wochen und ist an einen Aufenthalt in einer Suchtklinik oder einer ähnlichen Institution gebunden, die ambulante Form dauert normalerweise sechs bis zwölf Monate.

Während der Behandlung werden das konkrete Spielverhalten sowie die langfristige Motivation des Patienten abgeklärt. In ihrem weiteren Verlauf widmet sich die Therapie den Hintergründen der Sucht – bspw. Familienschwierigkeiten, berufliche Probleme, Depressionen – und versucht diese in den Griff zu bekommen. Außerdem erlernt der Süchtige Bewältigungsstrategien, die ihm zu mehr Selbstkontrolle verhelfen sollen. Auch die Rückkehr bzw. das Erlernen von einem normalen Umgang mit finanziellen Mitteln wird thematisiert.

Neben Einzelgesprächen sind auch Sitzungen in der Gruppe während der Therapie verpflichtend. Im Austausch mit anderen Patienten analysieren die Betroffenen die ihrem Spiel zugrundeliegenden Verhaltensmuster und erarbeiten zielorientierte Veränderungen.

Im Anschluss an die Behandlung empfiehlt es sich für die Patienten, in einer Selbsthilfegruppe weiterhin an ihrer Suchtproblematik zu arbeiten.

Hilfe vor Ort? – Die Beratungsstellen

Für diejenigen, die sich ob ihres Spielverhaltens und einer eventuellen Sucht unsicher sind, gibt es viele Stellen, an die man sich mit seinen Fragen wenden kann. Eine dieser Adressen sind die Anonymen Spieler, eine Interessengemeinschaft, die sich gemeinsam gegen Spielsucht engagiert. Sie beraten, organisieren sich in Selbsthilfegruppen und bei ihnen erhalten Interessierte außerdem aufschlussreiche Literatur zum Thema.

In vielen deutschen Städten findet sich außerdem die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, bei der es möglich ist, sich in Sachen Spielsucht Hilfe zu holen. Betroffene können sich beraten, über Behandlungsmöglichkeiten aufklären oder sich in eine Selbsthilfegruppe vermitteln lassen. Um herauszufinden, ob es in der Nähe eine solche Fachstelle gibt, empfiehlt sich am besten eine Recherche direkt im Internet. Einen groben Überblick über Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Suchtkliniken bietet die Seite spielsucht-therapie.de.

Glücksspielmonopol beim Staat – Die Prävention

In Deutschland schaut der Staat nicht tatenlos zu, wenn es darum geht, das Aufkommen von Spielsucht zu verhindern. Seit 2008 gibt es deshalb den Glücksspielstaatsvertrag, der von den Bundesländern unterzeichnet wurde und das Glücksspielmonopol beim Staate festgeschrieben hat. Zwar unterscheiden sich die Regelungen in den Ländern aufgrund des föderalen Systems ein wenig, in den wichtigsten Punkten stimmen sie allerdings überein.

Die Begründung des Glücksspielmonopols liegt im Spielerschutz begründet und damit natürlich auch darin, die Spielsucht zu bekämpfen. Dabei wird das Angebot an Glücksspielen begrenzt und die ordnungsgemäße Durchführung sichergestellt. Auch der Folge- oder Begleitkriminalität soll durch den Glücksspielstaatsvertrag vorgebeugt werden.

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Nicht nur der Staat, sondern auch viele Anbieter – ob online oder offline – weisen immer wieder auf die Gefahren der Spielsucht hin. Auf vielen Internetseiten bekannter Casinos, Buchmacher oder Lotterien findest du Hinweise zu Suchtgefahr, Selbsttests und Beratungsangeboten.

Männer am meisten gefährdet – Die Verbreitung

Inwieweit die Spielsucht ein Teil der deutschen Gesellschaft ist, versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihrer Untersuchung „Glücksspielverhalten- und Glücksspielsucht in Deutschland“, die alle zwei Jahre stattfindet, zu ermitteln.

Die Ergebnisse der letzten Studie haben gezeigt, dass zwar insgesamt weniger Menschen an Glücksspielen teilnehmen, die Zahl der pathologischen Spieler allerdings nicht abnimmt, sondern eher konstant bleibt. Als glückspielsüchtig eingeschätzt werden rund 1,3 % der Männer und 0,3 % der Frauen. Nach der Analyse sind zudem 1,2 % der Männer sowie 0,3 % der Frauen mit einem problematischen Spielverhalten – der Vorstufe zur Sucht – konfrontiert. Insgesamt können etwa 438.000 Menschen in diese beiden Zustände eingeordnet werden. Die Gruppe mit dem höchsten Risiko sind junge Männer zwischen 18 und 20 Jahren, etwa 9 % sind entweder süchtig oder haben Probleme mit Glücksspielen. Einflussfaktoren sind außerdem Arbeitslosigkeit und ein Migrationshintergrund. Automatenspiele, Sportwetten und Online-Casinos sind die Orte, an denen die Problemspieler am häufigsten ihr Geld einsetzen. Entgegen der allgemein rückläufigen Teilnahme an Glücksspielen, steigt die Zahl derjenigen, die an Spielautomaten drehen.

Ein nicht zu verharmlosendes Problem

Die Spielsucht betrifft nicht nur diejenigen, die ihr erliegen. Auch die Spielbetreiber und die Politik stehen in der Pflicht, das pathologische Spielen zu bekämpfen. Es ist wichtig, dass an der Prävention und dem Schutz der Spieler weiter gearbeitet wird, denn eines ist die Spielsucht wirklich nicht – als harmlos abzutun.

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