Digitales Spielen im Wandel der Zeit

Gespielt wurde schon lange vor dem digitalen Zeitalter, nur fand dies innerhalb des Familien- oder Freundeskreises statt. Brett-, Karten- oder andere Gesellschaftsspiele haben eine lange Tradition und durch die große Vielfalt an Spielen findet sich für jedes Alter und jeden Charakter ein passendes Angebot.

Ende der 50er Jahre entwickelten junge Akademiker die ersten Computerspiele, die allerdings nur von wenigen Spielern gespielt wurden, da nur wenige Leute Zugang zu den hierfür erforderlichen Computern hatten. Die ersten Spiele wurden auf den Rechnern der Universitäten von Studenten und Dozenten gespielt.

Zu Beginn der 70er Jahre wurden die Spielkonsolen, darunter der berühmte „Atari VCS 2600“ immer beliebter und immer mehr Menschen nutzten die angebotenen Spiele. Das einfach aufgebaute Tennisspiel „Pong“, bei die Spieler einen Strich, welcher den Schläger darstellen soll, so bewegen müssen, dass der Ball zum Gegner zurückgeschlagen wird, ist eines der ersten digitalen Spiele. In den Spielhallen wurden ab den 70er Jahren Spiele wie „Space Invaders“ oder „Asteroids“ gespielt, deren Aufbau heutzutage einfach wirkt, die damals aber einen echten Durchbruch darstellten.

In den 80er Jahren verbreiteten sich die Konsolen von Nintendo und Sega und die ersten Heimcomputer für den privaten Gebrauch kamen auf den Markt. Durch den starken Konkurrenzdruck wurden immer wieder neue, modernere Spiele entwickelt und die technischen Möglichkeiten wurden mehr und mehr erweitert.

In den folgenden Jahren wurde in immer mehr Haushalten ein PC oder eine Konsole angeschafft und die Spiele entwickelten sich bis hin zu den anspruchsvollen und komplexen Spielen, wie wir sie heute kennen.

nintendo

Spiele, die mit mehreren Spielern gespielt werden konnten, führten zu einem Boom der sogenannten LAN-Partys. Diese waren vor allem bei jungen Spielern sehr beliebt. Mehrere Computer wurden verkabelt und per LAN (Local Area Network) zusammengeschlossen und man spielte oftmals ganze Nächte hindurch.

Durch die flächendeckende Verfügbarkeit des Internets wird das Spielen über eine Online-Verbindung mit anderen Spielern immer beliebter. Es ist nicht mehr nötig, die Computer per Kabel miteinander zu vernetzen, sondern das gemeinsame Spielen kann auch stattfinden, wenn sich die Spieler an unterschiedlichen Orten auf der ganzen Welt aufhalten. Dies kann mittlerweile nicht mehr nur von zu Hause am Computer, sondern sogar unterwegs mit dem Handy erfolgen.

Meilensteine in der Entwicklung digitaler Spiele

1961Der Student Steve Russell entwickelt das erste Computerspiel „Spacewar“.
1972Das berühmte Video-Tennis-Spiel „Pong“ erscheint.
1977Die legendäre Spielekonsole „Atari VCS 2600“ wird der Öffentlichkeit vorgestellt.
1978„Space Invaders“ erscheint. Das Video-Spiel hat die weitere Entwicklung der Spieleindustrie nachhaltig.
1983Crash der nord-amerikanischen Spielebranche
1985Erste Heimcomputer von Atari und Commodore werden verkauft.
1994Sony verkauft die erste „PlayStation“.
1996Die Konsole „Nintendo 64“ wird in Japan verkauft. Ein Jahr später ist sie auch in Deutschland erhältlich.
2001Mit „Halo“ wird Online-Gaming auch für Konsolenspieler populär.
2004World of Warcraft (WoW) wird veröffentlicht.
2005Die Xbox 360 bietet neue Möglichkeiten für die Vernetzung der Spieler über das Internet.
2009Das Free-to-play-MOBA „League of Legends" erobert die Welt der digitalte Spiele.
2011Im App Store übersteigen die Erlöse von Free-to-play-Spielen erstmals die der klassischen Spiele.

Die Genres im Überblick

Die digitalen Spiele können in unterschiedliche Genres unterteilt werden. Teilweise sind keine ganz klaren Abgrenzungen möglich, da ein Spiel Komponenten aus unterschiedlichen Genres enthalten kann. Die folgende Auflistung der einzelnen Genres darf daher nicht zu eng ausgelegt werden. Es gibt zwar Spiele, die klar einem bestimmten Genre zugeordnet werden können, andere lassen sich dagegen nicht eindeutig klassifizieren.

Adventure-Spiele

Zu den klassischen Adventure-Spielen zählt beispielsweise „The Secret of Monkey Island”. Bei diesem Spiel müssen die Spieler Informationen sammeln und verschiedene Gegenstände geschickt miteinander kombinieren. Dabei werden sie Teil einer spannenden und auch witzigen Geschichte. Bei modernen Adventures können die Spieler die Handlung oftmals durch ihre Aktionen beeinflussen und erleben dadurch eine besonders intensive Spielerfahrung. Vor allem auf Tablets und Smartphones erfreuen sich die sogenannten „Hidden Objekt Games“ als eine Unterkategorie der Adventure-Spiele zunehmender Beliebtheit.

Arcade-Spiele

In der Anfangszeit der digitalen Video-Spiele waren die Arcade-Spiele die am häufigsten vertretene Spielform. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Pacman, Pong und Space Invaders. Bei diesen Spielen kommt es vor allem auf eine gute Reaktionsfähigkeit an. Auf eine komplexe Hintergrundgeschichte wird bei den meisten Arcade-Spielen verzichtet und auch die Bedienung ist in der Regel einfach, weswegen sie auch auf dem Handy oder Tablet gerne gespielt werden.

Pacman
Denkspiele

Bei den Denkspielen ist komplexe Problemlösung gefragt. Eines der bekanntesten frühen Denkspiele ist Minesweeper. In den letzten Jahren wurden Quizspiele zunehmend beliebter, was sicher auch daran liegt, dass die Spieler sich nun online mit ihren messen können.

Gesellschaftsspiele

Die klassischen Gesellschaftsspiele wie zum Beispiel Monopoly gibt es auch in der digitalisierten Form. Im Mehrspieler-Modus können die Nutzer entweder online gegen andere Spieler antreten, oder es wird mit mehreren anwesenden Spielern am selben Gerät gespielt. Auch gegen den Computer können die Spieler antreten. Zu den neueren Gesellschaftsspielen zählen beliebte Partyspiele wie beispielsweise Singstar.

Jump ‘n’ Runs

Der Klassiker unter den Jump ‘n’ Run Spielen ist das in den 80er Jahren erschienene Spiel „Super Mario Bros.“. Es folgten weitere Konsolenspiele, unter anderem Segas „Sonic the Hedgehog“. Bei Jump ‘n’ Runs geht es vor allem darum, Gefahren auszuweichen, Dinge einzusammeln und Gegner zu bekämpfen. Viele dieser Spiele werden auf Spielkonsolen gespielt, aber auch für den PC gibt es eine große Auswahl an Jump ‘n’ Run Spielen. In einfacherer Form sind sie auch für Handys und Tablets als kleine Spiele für zwischendurch sehr beliebt.

Kreativ-Spiele

Viele, aber längst nicht alle Kreativ-Spiele sind für Kinder konzipiert und bieten eine freundliche und anregende Lernumgebung. Sie werden vor allem für den PC oder als App angeboten, aber auch für die Spielkonsole sind einige Kreativ-Spiele verfügbar. Auch das äußerst beliebte und für mehrere Medien erhältliche Minecraft kann in Teilbereichen zu den Kreativ-Spielen gezählt werden.

Management-Spiele

Die teilweise sehr anspruchsvollen Inhalte sind charakteristisch für diese Spielform. Der Spieler muss in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel als Sportmanager, Politiker oder Unternehmenschef organisatorisches Talent beweisen und stets einen guten Überblick über die Gesamtsituation haben.

Rollenspiele

Bei dieser Art des virtuellen Spiels schlüpfen die Spieler in einen anderen Charakter, dessen Eigenschaften in der Regel detailliert definiert sind. Bei vielen Rollenspielen kann selber ein Avatar erstellt werden, bei anderen sind die Rollen vorgegeben. Eines der bekanntesten und beliebtesten Rollenspiele ist „World of Warcraft“. Hier kann der Charakter seine Fähigkeiten während des Spiels kontinuierlich ausbauen und ist dadurch immer schwereren Herausforderungen gewachsen.

Shooter

Bei diesen Spielen kämpfen sich die Spieler durch unterschiedliche Szenarien, müssen Aufgaben bewältigen oder spielen online in Teams gegeneinander. Die Spiele sind auf Grund der Gewaltszenen oft erst ab 16 oder 18 Jahren freigegeben. Die beliebten Ego-Shooter stehen besonders häufig in der Kritik, da das Spielen hier aus der Perspektive der Spielfigur erfolgt und die Spieler sich so besonders intensiv in den Kämpfer hineinversetzen können.

In der öffentlichen Diskussion wird häufig ein Zusammenhang zwischen Ego-Shootern und Amokläufen vermutet.  Es existieren allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die beweisen, dass das häufige Spielen von Ego-Shootern zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führt. Vielmehr ist anzunehmen, dass der Zusammenhang andersherum ist und viele der Menschen, die ohnehin ein erhöhtes Gewaltpotential aufweisen, sich zu Ego-Shootern hingezogen fühlen.

Simulatoren

Die Bandbreite der Simulatoren umfasst nahezu jeden Bereich der Realität. Es gibt Flug-, Kriegs-, Landwirtschafts- und zahlreiche weitere Simulatoren. Besonders realistische Simulatoren werden auch zu Trainingszwecken für die entsprechenden Berufsgruppen eingesetzt, bei den von der Spieleindustrie produzierten Simulatoren handelt es sich aber in erster Linie um Unterhaltungssoftware.

Sportspiele

Bei modernen Sportspielen werden meist reale Gegebenheiten realistisch nachgebildet. So können zum Beispiel bei Fußballspielen echte Mannschaften von bekannten Vereinen im Spiel eingesetzt werden und der Spieler kann sich auch seine eigene Mannschaft zusammenstellen. Sportspiele gibt es für fast jede Sportart, am verbreitetsten sind natürlich die bekanntesten Sportarten. So sind Fußball, Basketball, Autorennen aber auch Golf gerne gewählte Sportspiele. Sportspiele sind vor allem für Konsolen konzipiert, sind aber auch für den PC erhältlich.

Strategie-Spiele

Es gibt mehrere Untergruppen von Strategie-Spielen. Weit verbreitet sind hier die Themen „Krieg“ und „wirtschaftliche Überlegenheit“. Auch im Fantasy-Bereich sind Strategie-Spiele zu finden. Ziel des Spiels ist es, erfolgreicher als die Gegner zu sein, was vor allem durch analytisches Denken und gute Entscheidungen erreicht wird. Bei den Echtzeit-Strategie-Spielen kommt es dazu noch auf schnelle Entscheidungen an, denn es gibt kein Rundensystem, bei welchem jedem Spieler eine gewisse Zeit zum Nachdenken eingeräumt wird, sondern alle Spieler sind gleichzeitig an der Reihe und können entsprechend der vorgegebenen Möglichkeiten handeln.

Altersfreigabe für digitale Spiele

In Deutschland werden digitale Spiele von der staatlich anerkannten Prüfstelle USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) auf ihre Eignung für verschiedene Altersklassen geprüft und dementsprechend gekennzeichnet. Gemäß dem Jugendschutzgesetz dürfen Spiele nur an Personen verkauft werden, welche die Altersvorgaben erfüllen. Auch der gewerbliche Verleih an jüngere Spieler ist nicht zulässig.

Die Alterseinstufungen der USK finden sich auf jeder Spieleverpackung und in der Regel auch auf jedem in dieser enthaltenen Datenträger. Die Kennzeichnung für reine Online-Spiele und Apps erfolgt über ein gesondertes Verfahren (IARC).

USK: Die Verteilung der Genres im Jahr 2015

© USK

Die USK-Kennzeichnungen

USK 0

Spiele, die aus Sicht des Jugendschutzes keine Gefahren für Kinder enthalten. Darunter fallen Beispielsweise viele Simulationen, Management-Spiele, Sportspiele und Jump ‘n’ Runs. Die Freigabe nach USK 0 bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Spiele für Kinder unter 6 auch geeignet sind, da in diese Kategorie auch viele Spiele fallen, die zwar keine jugendgefährdenden Inhalte enthalten, aufgrund ihrer Komplexität aber gar nicht von jüngeren Spielern verstanden beziehungsweise umgesetzt werden können.

USK 6

Vorwiegend Familienfreundliche Spiele, die aber wettkampfbetonter und actionreicher ausfallen können, als die mit USK 0 ausgezeichneten Spiele. In dieser Kategorie finden sich viele Autorenn-Spiele, Jump ‘n’ Runs und Rollenspiele.

USK 12

Kampfbetontere Spiele, für welche der Spieler über ausreichend Distanzierungsmöglichkeiten verfügen muss, um eine Gefährdung ausschließen zu können. Mit USK 12 werden viele Arcade- Strategie- und Rollenspiele ausgezeichnet. Auch einige harmlosere militärische Simulationen fallen in diese Kategorie.

USK 16

Spiele, die erst ab 16 Jahren freigegeben werden, zeigen in der Regel Gewalthandlungen und handeln häufig von bewaffneten Kämpfen und militärischen Missionen. Hierzu gehören viele Shooter, militärische Strategie-Spiele und actionreiche Adventures.

USK 18

Spiele mit einem nahezu ausschließlich gewalthaltigem Spielkonzept und einer düsteren und bedrohlichen Atmosphäre erhalten keine Jugendfreigabe und dürfen somit ausschließlich an Erwachsene verkauft werden. Hierzu zählen die meisten Ego-Shooter, viele Action-Adventures und sogenannte Open-World-Games.

Schadet Kindern und Jugendlichen das digitale Spielen?

Viele Eltern und auch Pädagogen betrachten das Spielen an Computer, Spielkonsole oder anderen Geräten mit Sorge, denn es wird befürchtet, dass das häufige Spielen den Kindern schadet. Eh die digitalen Medien aber verteufelt werden sollte aber bedacht werden, dass sie in unserer heutigen Welt eine immer größere Rolle spielen und zwar nicht nur zum Spielen, sondern auch im Alltag und in der Arbeitswelt. Kindern und Jugendlichen das Computerspielen zu verbieten wäre somit unlogisch, denn wie sollen sie dem Umgang mit Dingen lernen, die in einigen Jahren den Alltag noch stärker als heute prägen werden, wenn man sie davon fernhält.

Zwar ist es richtig, dass eine gesunde Entwicklung auch viel Bewegung benötigt und ein dauerhaftes Abtauchen in die digitale Welt sollte vermieden werden, moderater Medienkonsum, und dazu gehören auch die digitalen Spiele, hat jedoch nicht nur schlechte Seiten. Bei den sogenannte Jump and Run Spielen wird die Hand-Auge-Koordination verbessert und bei Adventure-Spielen wird beispielsweise die Fähigkeit zur Lösung von Problemen trainiert.

© SCHAU HIN! Was Deine Kinder machen

Dennoch sollte darauf geachtet werden, dass eine gute Balance zwischen Spielen und anderen Hobbys besteht. Bei Zeichen einer Abhängigkeit (Vernachlässigung sozialer Kontakte, Rückzugstendenzen, Desinteresse an anderen Lebensbereichen) sollte nicht weggesehen, sondern geholfen werden. Jedoch muss dazu gesagt werden, dass das häufige Spielen in der Regel nicht die Ursache für das Problem ist, sondern vielmehr ein Symptom. Es ist daher wenig sinnvoll, das Spielen einfach nur zu verbieten, sondern es muss darauf geschaut werden, warum die Flucht in die digitale Welt erfolgt und hier an geeigneten Lösungen gearbeitet werden.

Mitspielen statt Verteufeln

Je jünger die Kinder sind, desto besser sollten die Eltern darüber informiert sein, was diese spielen. Aber auch bei älteren Jugendlichen ist es noch sehr sinnvoll, sich über die Spiele zu informieren, für welche sich die Teenager begeistern und diese selber einmal auszuprobieren. So werden möglicherweise einige Sorgen zerstreut und andere können mit fundiertem Hintergrundwissen mit dem Jugendlichen besprochen werden. Auch ein gemeinsames Spielen kann den sozialen Rückzug verhindern und viele Chancen für ein besseres Miteinander und somit eine geringere Suchtgefahr bieten.

Online um echtes Geld spielen

Nicht alle digitalen Spiele werden ausschließlich zum reinen Vergnügen gespielt. Bei einigen Spielen gibt es auch die Möglichkeit, echtes Geld einzusetzen und zu gewinnen. Hierzu gehören vor allem viele Glücksspiele, die in den sogenannten Online-Casinos gespielt werden können. Aber auch Geschicklichkeits- und Strategie-Spiele, bei denen nicht das Glück über Sieg oder Niederlage entscheidet, können online mit Echtgeldeinsatz gespielt werden.

Voraussetzung für das Spielen um Geld ist, unabhängig von der Art des Spiels, die Volljährigkeit des Spielers. Anbieter, die Echtgeldspiele ermöglichen, müssen zudem hohe gesetzliche Anforderungen erfüllen, um die Spieler ausreichend zu schützen und Betrug zu verhindern.

Browserspiele

Wer in kleineren Pausen zwischendurch gerne ein Spiel spielen möchte, will dafür nicht unbedingt erst eine Software herunterladen müssen. Daher sind die sogenannten Browserspiele als unterhaltsame Beschäftigung für Zwischendurch sehr beliebt. Sie können direkt online gespielt werden, so dass kein Download erforderlich ist. Für Browsergames gibt es zahlreiche Anbieter, die meisten davon finanzieren sich über Werbung auf ihrer Website.

In-App-Käufe

Viele Spiele-Apps sind kostenlos, spielen den Betreibern aber dennoch einen beachtlichen Gewinn ein, indem sogenannte In-App-Käufe angeboten werden.Die Spieler können verschiedene Items kaufen, um schneller voranzukommen. Für die Betreiber der Spiele ist diese Art der Kommerzialisierung ihrer Spiele sehr lukrativ, denn es entstehen praktisch keine Kosten dadurch, dass der Spieler ein ein virtuelles Item kauft. Viele Spieler versinken so sehr in den Spielen und wollen keine langen Wartezeiten in Kauf nehmen, um die im Spiel gestellten Aufgaben erfüllen zu können, dass sie zahlreiche In-App-Käufe tätigen uns somit letztendlich deutlich mehr Geld ausgeben, als ein normales Computerspiel eigentlich kostet.

So hat Slice Intelligence ausgerechnet, dass im Jahr 2015 in den USA jeder mobile Spieler durchschnittlich $87 für In-App-Käufe ausgegeben hat. Das sind $5 mehr als für traditionelle Spiele für PC oder Konsole.

© Slice Intelligence

Mobiles Spielen gewinnt an Bedeutung

Während die „großen“, aufwendig gestalteten Spiele immer noch in erster Linie am PC oder an Spielkonsolen gespielt werden, gewinnt bei weniger umfangreichen Spielen das Smartphone an Bedeutung. Kleine Spiele aller Genres dienen der kurzweiligen Unterhaltung. Im Bus, in der Mittagspause oder auch zu Hause auf dem Sofa sorgen die kleinen Spiele, die entweder als App verfügbar sind oder direkt im Browser des Handy geöffnet werden können, für Spannung und Spaß.

Auch Spiele, bei denen es um echtes Geld geht, wie beispielsweise Poker oder andere Casino-Spiele, sind mobil verfügbar. Bei vielen Spielern ist es sogar ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Online-Casinos, ob dieses auch als mobile App verfügbar ist.

Da die rasante technische Entwicklung weitergeht und die modernen Smartphones und Tablets immer mehr Möglichkeiten bieten ist zu erwarten, dass auch in Zukunft das mobile Spielen weiter an Bedeutung gewinnen wird.

Digitales Spielen im „Real Life“

Digitales Spielen kann nicht nur sitzend vor dem Computer erfolgen, sondern auch mit Bewegung an der frischen Luft kombiniert werden. Bereits im Jahr 2000 kam das Geocaching auf, eine Freizeitbeschäftigung, bei welcher sogenannte Caches versteckt werden, die dann anhand der Koordinaten und verschiedenen Hinweisen von den anderen Teilnehmern gefunden werden. Die Caches, bei denen es sich meistens um Dosen oder ähnliche Behälter handelt, dürfen nach dem Finden nicht behalten werden, sondern werden wieder am Fundort positioniert, damit sie vom nächsten Teilnehmer gefunden werden können. Bei einigen Caches können vorher Gegenstände ausgetauscht werden, oder die Finder können sich in eine Art Logbuch eintragen.

Die „Schatzsuche“ erfolgt mittels GPS-Gerät oder einem modernen Handy mit GPS-Funktion. Geocaching ist mittlerweile gut organisiert und die weltweit versteckten Caches sind online verzeichnet, so dass die Teilnehmer jederzeit und überall auf die Suche gehen können. So können auch kleinere Pausen im alltäglichen Leben genutzt werden, um Caches in der Nähe zu finden.

Allein in Deutschland befinden sich über 369.000 Caches, die USA ist mit mehr als einer Million das Land mit den meisten verzeichneten Geocaches.

Das Geocaching lebt vom aktiven Einsatz der Teilnehmer. Bei diesem Hobby kann jeder beliebig viele eigene Caches verstecken und auf der Website auflisten. Dabei müssen jedoch einige Vorgaben erfüllt werden, wie beispielsweise die Einhaltung von Vorschriften in Naturschutzgebieten.

Verschiedene Arten von Geocaches

Traditioneller CacheDie Koordinaten des Verstecks werden veröffentlicht.
Multi-CacheEs müssen mehrere Stationen bewältigt werden, an denen sich in der Regel Hinweise auf die nächste Station oder den „Final-Cache“ befinden.
Rätsel-CacheUm die richtigen Koordinaten dieses Caches herauszufinden, muss zuvor ein Rätsel gelöst werden.
NachtcacheDas Ziel ist nur bei Dunkelheit zu finden. Hier wird häufig mit Reflektoren oder UV-Leuchten gearbeitet.

Pokemon Go

Eine  weitere Möglichkeit, digitales Spielen und körperliche Aktivität miteinander zu verknüpfen, ist das 2016 erschienene Spiel Pokemon Go, welches von dem Softwareunternehmen Niantic entwickelt wurde. Pokemons werden auf einer globalen Landkarte platziert und können vom Spieler mit einem GPS-fähigen Handy entdeckt und eingefangen werden, wenn er nah genug an sie herankommt. Das Spiel nutzt Sehenswürdigkeiten und andere auffällige Objekte und findet somit zu einem großen Teil an öffentlichen Plätzen statt.

Pokemon Go ist kostenlos und finanziert sich über sogenannte In-App-Käufe, bei welchen die Spieler virtuelle Münzen erwerben können, die sie dann gegen verschiedene Gegenstände im Spiel eintauschen können.

An den weltweit platzierten virtuellen „Pokestops“ erhalten die Spieler verschiedene Items, die für das Spiel benötigt werden. Weltweit gibt es zur Zeit etwa fünf Millionen Pokestops. Hinzu kommen die Arenen, in welchen die Spieler sich treffen und virtuelle Kämpfe miteinander austragen können.

Beim Spielen des Spiels werden teilweise viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt, weswegen die Fans des Spiels es als eine ideale Kombination von gesunder Bewegung und digitalem Spielen betrachten. Kritiker bemängeln dagegen, dass die Spieler zu viel Aufmerksamkeit auf das Spiel und zu wenig Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung richten, wodurch es möglicherweise zu Unfällen kommen kann.

Mit dem Erscheinen des Spiels kam ein regelrechter Pokemon-Hype auf, der dazu führte, dass die Server oft wegen Überlastung ausfielen. Der Marktwert von Nintendo verdoppelte sich durch die hohe Nachfrage nach dem Spiel.

E-Sports: Spielen unter professionellen Bedingungen

Bestimmte Computerspiele können, genau wie klassische Sportarten auch als offizielle und gut organisierte Wettkämpfe ausgetragen werden. Immer mehr Sportvereine haben eigene Abteilungen für die professionelle Organisation von virtuellen Spielen. Die Wettkämpfe werden nach klar definierten Bestimmungen als Einzel- oder Mannschaftswettkampf ausgetragen.

Es gibt sogar E-Sportler, die mit dem Spielen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Diese sogenannten Progamer haben eine große Fangemeinde und werden von verschiedenen Unternehmen gesponsert. Besonders beliebt ist dieser Sport in Asien, wo die großen E-Sport Wettkämpfe vor einer riesigen Zuschauermenge ausgetragen werden.

E-Sports-Finale in Berlin
© dpa

Die typischen Genres bei den E-Sports sind Ego-Shooter, Echtzeit-Strategiespiele und Sportsimulationen. Die am häufigsten gespielten Spiele sind Counterstrike, Dota 2, League of Legends und StarCraft 2. Da immer wieder neue Spiele entwickelt werden und die technischen Möglichkeiten zunehmen, gibt es bei den E-Sports eine hohe Dynamik.

Die Electronic Sports League ist die größte von mehreren Ligen im E-Sport und verfügt über mehr als 1,9 Millionen aktive Spieler. Aktuell sind E-Sports vom Deutschen olympischen Sportbund noch nicht offiziell als Sportart anerkannt, die Akzeptanz als ernstzunehmende Sportart nimmt aber zu. In den USA, Brasilien, China und Frankreich dagegen werden E-Sports von den etablierten Sportverbänden anerkannt und auch gefördert.

Gamer-PCs

Nicht nur professionelle E-Sportler, sondern auch viele Hobby-Spieler verwenden besonders Leistungsstarke PCs mit einer schnellen Reaktionszeit und vielen Extras. Auch spezielle Computermäuse, Tastaturen, Headsets und weitere Tools werden verwendet.

Digitales Spielen in der Zukunft

Die digitale Entwicklung schreitet rasant voran und mit ihr kommen auch immer komplexere und aufwendig gestaltete Spiele auf den Markt. Durch das Internet nimmt die Bedeutung der Vernetzung der Spieler untereinander an Bedeutung zu. Während die ersten digitalen Spiele alleine oder mit Freunden gespielt wurden, sind nun dank des Internets rund um die Uhr Mitspieler verfügbar. Daher werden weniger Spiele angeboten, bei denen die Nutzer gegen den Computer spielen und das gemeinsame Spielen gewinnt an Bedeutung. Es bilden sich Mannschaften und teilweise auch Trainingsgemeinschaften heraus und auch die Kommunikation neben dem eigentlichen Spiel ist ein wichtiger Teil der Spielkultur geworden.

Die weitere Entwicklung hängt stark von den technischen Möglichkeiten der Zukunft ab und von Hobby-Spielern und Profis mit gespanntem Interesse betrachtet. Es ist zu erwarten, dass die Spiele noch realistischer gestaltet. Während sich die ersten digitalen Spiele in ihrer Art sehr ähnelten, differenzieren sich die heutigen Spiele in immer mehr Kategorien, die sich teilweise aber auch überschneiden. Auch dieser Trend dürfte erwartungsgemäß noch zunehmen.

 

Quellenangaben

https://www.srf.ch/radio-srf-3/digital/kinder-games-und-die-sorgen-der-eltern
https://www.biu-online.de/spielgeschichte/
https://www.geocaching.com
http://www.usk.de/
http://www.pokemongo.com/de-de/
http://www.sport1.de/esports
http://www.sueddeutsche.de/digital/aggressiv-durch-egoshooter-ich-mach-schaschlik-aus-dir-1.1493661-2
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/diskussion-ueber-killer-computerspiele-nach-amoklauf-in-muenchen-14355353.html
https://www.uni-bonn.de/neues/278-2011
http://www.presseportal.de/pm/52699/1517122
http://www.schau-hin.info/